Anleihen: „Kuh vom Eis“ in Sachen Griechenland

26. März 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Weiter dreht sich an den Staatsanleihemärkten alles um die Hellenen: „Die Entscheidung über mögliche Hilfen für Griechenland hielt die ganze Woche die Märkte in Atem“, berichtet etwa Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Während zu Anfang der Woche noch die Sorgen dominierten und die Renditeaufschläge für Anleihen der PIIG-Staaten (Portugal, Irland, Italien, Griechenland) in die Höhe trieben, kam gestern der Umschwung. „In Sachen Griechenland ist die Kuh jetzt vom Eis“, urteilt Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft und verweist auf die auf dem EU-Gipfel vereinbarte Unterstützung durch den IWF sowie durch bilaterale Kredite. Die Maßnahmen sind allerdings nur für den äußersten Notfall gedacht.

Brunner
„Die zehnjährige griechische Staatsanleihe konnte den Renditeabstand zur Bundesanleihe seit Montag um 32 auf jetzt 305 Basispunkte verringern“, meldet Arthur Brunner. Auch die Äußerung von EZB-Chef Trichet, dass die reduzierten Anforderungen an zentralbankfähige Sicherheiten vorerst beibehalten werden sollen, trug zur Entspannung bei. Bundesanleihen tendierten bei festen Aktienmärkten wieder schwächer. Nachdem der Euro-Bund-Future in den Tagen zuvor klar über 123 notiert und am Dienstag zwischenzeitlich sogar 123,78 Prozent erreicht hatte, fiel er gestern zurück und liegt heute zur Mittagszeit bei 122,69. Eine zehnjährige Bundesanleihe bringt eine Rendite von 3,13 Prozent.
Portugal-Herabstufung ohne große Folgen
Zu Beginn der Woche hatte das noch etwas anders ausgesehen: Auch die Herabstufung der langfristigen Schulden Portugals von AA auf AA- durch die Ratingagentur Fitch hatte nicht gerade dazu beigetragen, die durch die immense Verschuldung vieler Länder bedingte Skepsis abzuschütteln. „An den Kapitalmärkten führte die Portugalherabstufung allerdings zu keinen großen Verwerfungen“, kommentiert Klaus Stopp von der Baader Bank. „Der Bund-Future hat davon nur kurzfristig profitiert“, meint auch Gregor Daniel.
Die vielen US-Treasury-Versteigerungen, die offenbar etwas zögerlicher verliefen als erwartet, trüben die Stimmung an den Anleihemärkten nun noch zusätzlich. Die Baader Bank berichtet von rekordverdächtigen Refinanzierungsvolumina in dieser Woche: Neben 31 Milliarden US-Dollar als 4-Wochen-, 28 als 3-Monats- und 29 als 6-Monats T-Bills seien noch weitere 118 Milliarden als 2-, 5- und 7-jährige T-Bonds emittiert worden.

Daniel
IKB-Anleihen von Presseberichten beflügelt
Neben diversen Aufstockungen von Staatsanleihen standen in dieser Woche abermals zahlreiche Neuemissionen von Unternehmen an. „Am Primärmarkt geben sich weiterhin die Emittenten die Klinke in die Hand“, schreibt die Baader Bank. Emission folge auf Emission. Deutlich zulegen können heute Anleihen der IKB (WKN 859275 und A0BDRX), wie Gregor Daniel berichtet: „Hier gibt es Gerüchte über einen Ausstieg von Lone Star“, erläutert er. Arthur Brunner meldet Ähnliches von einer Nachranganleihe der IKB (WKN 273032). Zeitungsberichten zufolge lotet der US-Finanzinvestor den Verkauf der Mittelstandsbank aus. Lone Star hatte die krisengeschüttelte Bank im Herbst 2008 übernommen. Am Markt wird der Ausstieg offenbar positiv bewertet.
Merck-Anleihen kommen gut an
Die in der vergangenen Woche begebenen Anleihen von Merck Financial Services kamen gut an, wie Daniel außerdem meldet. Die Emission setzt sich aus drei Tranchen (WKN A1C981, A1C982, A1C983) mit Laufzeiten von zwei, fünf und zehn Jahren zusammen, die Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft ist Skontroführer bei der Tranche mit mittlerer Laufzeit.
© 26. März 2010 / Anna-Maria Borse
© Deutsche Börse AG
No related posts.
Ähnliche Artikel bereitgestellt von Yet Another Related Posts Plugin.