Anleihen: Dauerbrenner Griechenland

5. März 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der griechischen Regierung ist es diese Woche gelungen, durch die Ankündigung drastischer Sparmaßnahmen das Vertrauen der Investoren – zumindest zeitweilig – wieder zu gewinnen. „Was auch bitter nötig ist, stehen doch in den nächsten zwei Monaten noch 25 Milliarden Euro zur Refinanzierung an“, kommentiert Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Zumindest sei gestern mit der Platzierung einer zehnjährigen Anleihe im Volumen von fünf Milliarden Euro ein Teilerfolg gelungen. „Die Anleihe war mehr als dreifach überzeichnet, und das bei einem Kupon von 6,25 Prozent. Ein Ergebnis, das noch vor Wochenfrist von vielen Marktteilnehmern also utopisch bezeichnet worden wäre.“

Wie es mit dem angekündigten Sparpaket genau weitergeht, sei dennoch unklar, meinen die Volkswirte der HSH Nordbank dazu. Denn die Haltung Griechenlands sei jetzt offensichtlich, nachdem den Worten Papandreous: „Wir haben gezeigt, dass wir schwierige Entscheidungen treffen können. Jetzt warten wir auf Unterstützung von Europa – die andere Seite des Abkommens“. Und dann habe sein Finanzminister quasi noch damit gedroht, dass das Land sich auch dem IWF zuwenden könne, wenn von der EU keine adäquate Hilfe käme. „Die Haltung ist unseres Erachtens frech und vermutlich der Tatsache geschuldet, dass die Regierung gehörig unter Druck steht und die Maßnahmen auch in der Bevölkerung verkaufen muss. Offensichtlich läuft es auf ein baldiges Hilfspaket von Seiten der EU hinaus“, schreiben die Volkswirte. Aber was die Anleger jubeln lässt, treibt die Bevölkerung auf die Straße. Wenn man die Bilder in den Nachrichten sieht, wird einem drastisch vor Augen geführt, vor welchem Dilemma die dortige Regierung jetzt steht und welch schwierige Aufgaben in den kommenden Monaten noch auf sie zukommen werden.

Brunner

Gestern steckte die EZB den Rahmen ihrer zukünftigen Geldmarktpolitik ab. Der wichtigste Punkt: Die Kreditinstitute werden bis Oktober weiterhin unbeschränkt mit Liquidität versorgt. „Letztmalig wird im März ein Sechsmonatstender in unbeschränkter Höhe ausgeschrieben, der aber wie schon beim letzten Mal an die zukünftige Leitzinsentwicklung gekoppelt ist“, erzählt Brunner. Beim Dreimonatstender kehre man zum Prozedere vor der Krise zurück, indem eine bestimmte Menge an Liquidität in einem Bieterverfahren an die Meistbietenden zugeteilt werde.

Der Renditeabstand zehnjähriger griechischer Staatsanleihen ist seit letzter Woche um 23 auf jetzt 302 Basispunkte zurückgegangen. Am deutlichsten war der Rückgang im zweijährigen Bereich um 95 Basispunkte von 517 auf aktuell 422 Basispunkte. Die Renditen der Bundesanleihen ziehen wieder leicht an auf 3,12 Prozent für ein zehnjähriges Papier, der Bund-Future verliert einige Punkte auf 124,26.

Fremdwährungsanleihen als Alternative

Der Euro profitiert nur in einem geringen Maße von den Ereignissen. „Wiederum sind Anleihen in norwegischen Kronen und südafrikanischem Rand von den Anlegern nachgefragt“, beschreibt Brunner die Aktivitäten der Investoren. Ansonsten seien mangels Neuemissionen und damit fehlender Alternativen die gleichen Unternehmensanleihen wie in den Vorwochen gesucht.

Renditeabstände wieder enger

Petz

Die Risikoaversion der Investoren nimmt wieder ab. Die Renditeabstände hätten sich etwas eingeengt, berichtet Rainer Petz von Close Brothers Seydler. „In den hochverzinslichen Anleihen hatten wir gute Kursbewegungen im Vergleich zu den Vorwochen.

Nächste Woche geht eine neue Anleihe der Rhön Kliniken in den Handel (WKN A1C9UX). Der Kupon lockt mit 3,875 Prozent, so dass die Anleihe bereits im vorbörslichen Handel leicht über 100 Prozent notiert. Das Papier sei deutlich überzeichnet gewesen, berichtet Petz.

Genussschein der Commerzbank

Die Skontroführer der Hellwig Wertpapierhandelsbank beobachten wie in den vergangenen Wochen bereits höhere Umsätze in einem Genussschein der Commerzbank, der im Dezember 2010 fällig wird und Mitte 2011 zur Auszahlung kommt (WKN 803205). „Zinsen werden für das Papier, das Anfang Oktober noch bei etwa 75 Prozent stand, nicht gezahlt. Der Kurs hat sich mittlerweile auf 88 Prozent erholt“, erklärt ein Händler. Die Skontroführer beobachten sowohl Gewinnmitnahmen als auch Neupositionierungen in dem Genussschein.

© 5. März 2010/Dorothee Liebing

© Deutsche Börse AG

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