Anleihen: Griechische Anleihen fühlen sich bei Privatanlegern wohl

22. Januar 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die europäischen Sorgenkinder Griechenland, Portugal und Spanien stehen wegen ihrer hohen Staatsverschuldung auch diese Woche im Rampenlicht. Die Renditeabstände der griechischen Staatsanleihen zu den deutschen Pendants haben sich nochmals ausgeweitet und liegen nun im zehnjährigen Bereich drei Prozentpunkte über der Rendite einer Bundesanleihe. „Noch profitieren deutsche Staatsanleihen von ihrem Status als sicherer Hafen und loten möglicherweise gerade die Renditetiefs für 2010 aus“, meinen die Volkswirte der Helaba. Doch Marktteilnehmer vermuten, dass die Renditen wieder steigen werden. Die Risikoprämien, die Investoren fordern, steigen nämlich allmählich wieder.

Für Unruhe sorgte gestern eine Rede des US-Präsidenten Barrack Obama. Er will ein Gesetzentwurf durchbringen, der Banken und Finanzinstitute beschränken wird. Banken müssen sich demnach entscheiden, ob sie Kundengeschäft oder Eigenhandel betreiben wollen. Die Geschäftstätigkeiten müssten damit in Zukunft getrennt werden. Das brachte nicht nur die Aktien der Finanzinstitute unter Druck, sondern auch deren Anleihen. Wie Händler beobachten können, haben vor allem nachrangige Daueranleihen an Kurswert verloren. Doch es bestehe kein großer Abgabedruck. Allerdings waren Staatsanleihen Nutznießer der Marktbewegung.

Der Euro-Bund-Future bewegt sich diese Woche in einem Band zwischen 122,2 am Wochenanfang und 123,4 Punkten heute zur Mittagszeit. Eine zehnjährige Bundesanleihe bringt eine Rendite von 3,2 Prozent.

Privatanleger lieben Griechenland

Während sich institutionelle Anleger eher aus europäischen Staatsanleihen-ETFs verabschieden und sich in den heimischen, sicheren Hafen begeben, setzen nach Angaben der Händler Privatanleger gerne auf das in etwas stürmischerer See schaukelnde Schiffchen der griechischen Staatsanleihen. Vorwiegend kaufen sie Anleihen mit einer kürzeren Restlaufzeit, z.B. die bis 2012 laufenden Papiere (WKN A0LN5U und A0T6US).

Anleihen aus Down Under

Daniel

Die weltweite zunehmende Staatsverschuldung lässt Australien weiterhin in einem rosigen Licht erstrahlen. Gemessen an einer Staatsverschuldung von 21 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ist Australien bzw. der australische Dollar ein attraktiver Investmentkandidat. „Anleger rechnen damit, dass der Australische Dollar gegenüber dem Euro gewinnen wird. Unterstützt wird diese Marktmeinung durch die räumliche Nähe Australiens zu China. Das Land dürfte mehr vom chinesischen Wirtschaftswachstum profitieren. Zudem hat Australien bereits die Zinsen erhöht“, erklärt Gregor Daniel von der Wertpapierhandelsgesellschaft Walter Ludwig die Vorliebe für Unternehmensanleihen, die in australischen Dollar notiert sind. Gekauft werden Papiere von Nestlé (WKN A1AQCN) sowie der Rabobank (WKN A1AKDU).

Flut an Neuemissionen hält an

Neuemissionen überfluten den Markt. Solange die Banken mit ihrer Kreditvergabe zurückhaltend bleiben, müssen sich die Unternehmen über den Markt finanzieren. „Allein in den ersten beiden Wochen des Jahres haben sich Unternehmen über Unternehmensanleihen Mittel in der Größenordnung von 12 Mrd. Euro beschafft“, berichtet Klaus Stopp von der Baader Bank. Allerdings wirft die rege Emissionstätigkeit die Frage auf, wie lange der Markt bereit und fähig sei, diese großen Emissionsvolumina zu absorbieren. Eine leichte Müdigkeit scheint sich bereits abzuzeichnen. VW wird eine Anleihe bringen, die mit 3,375 Prozent verzinst wird und die bis Juli 2014 läuft. „Alle, die dieses Papier gezeichnet haben, haben auch eine Zuteilung bekommen. Das ist noch ein ganz anderes Bild als vor einem Jahr, wo die Nachfrage das Angebot weit überstiegen hat“, kommentiert Gregor Daniel die jüngste Emission, die nächste Woche an der Börse eingeführt wird.

Gut aufgenommen wurde eine neue Österreich-Anleihe (WKN A1ASCX), die mit 3,2 Prozent verzinst ist und bis Februar 2017 läuft. Unter den Unternehmensanleihen fand das neue Papier der Daimler AG – der Kupon beträgt 3 Prozent, die Laufzeit drei Jahre (WKN A1C9VP) – regen Absatz. Investoren, die es etwas riskanter lieben, dafür aber mit einer höheren Verzinsung belohnt werden wollen, setzen auf das neue Papier der Solarworld (WKN A1CR73). Fällig wird das Papier, das mit 6,125 Prozent verzinst wird, im Januar 2017. Das Papier werde von Privatanlegern rege nachgefragt und notierte zunächst bei 100,4 Prozent, habe aber inzwischen im Kurs wieder etwas eingebüßt.

© 22. Januar 2010 / Dorothee Liebing

© Deutsche Börse AG

No related posts.

Ähnliche Artikel bereitgestellt von Yet Another Related Posts Plugin.

Gib Deinen Kommentar ab

Sag uns, was Du dazu meinst ...
und wenn Du ein Bild neben Deinem Kommentar sehen möchtest, benutze einen Gravatar!