Anleihen: Schnüffeln nach Rendite

15. Januar 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Ein gemischtes Bild bot sich diese Woche an den Rentenmärkten. „Während eine Flut von neuen Unternehmensanleihen auf rege Nachfrage bei den Investoren stieß und dabei die Risikoaufschläge weiter sinken ließen, brachen griechische Staatsanleihen vor allem auch bei kurzen Laufzeiten ein“, berichtet Arthur Brunner von der ICF AG. Letztere hätten vor allem am gestrigen Donnerstag massive Verluste verbucht, nachdem EZB-Chef Trichet verlauten ließ, dass es für das Land keine Ausnahmeregelungen geben werde. „Die Rendite der zweijährigen Staatsanleihe legte allein am gestrigen Donnerstag um 38 Basispunkte zu. Der Renditeabstand zu den Bundesanleihen vergrößerte sich im Wochenverlauf bei den zweijährigen Anleihen um 71 Basispunkte auf 232 Basispunkte. Bei den zehnjährigen Anleihen stieg er um 48 Basispunkte von 227 auf 275 Basispunkte.“

Die Sorge um Griechenlands Schuldenlast, neben anderen Wackelkandidaten aus der Euro-Zone bringt auch bisher die als sichere Schuldner eingestuften Euro-Ländern in Verruf. Wie die Financial Times Deutschland meldet, sei es erstmals an den Märkten teurer, sich gegen den Ausfall europäischer Staaten abzusichern als gegen die Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens mit Top-Bonitätsnote. Das betrifft auch Länder wie Deutschland, Frankreich oder Großbritannien.

Lateinamerika in Turbulenzen

Daniel

Argentinien und Venezuela sorgen für Schlagzeilen und Kursbewegungen am Rentenmarkt. Der venzuelanische Staatspräsident Hugo Chavez verunsichert wieder einmal die Marktteilnehmer. Chavez wertete den Bolivar am Wochenende um 50 Prozent ab, um zu verhindern, dass US-Dollar Kapital abfließt. Zudem wurde ein paralleles Wechselkurssystem eingeführt, das für unterschiedliche Güter verschiedene Wechselkurse ansetzt. Laut einem Bericht in der Financial Times Deutschland erinnere das neue Wechselkurssystem an das Währungssystem Venezuelas der 80er Jahre, das in einem Börsencrash, einem „Schwarzen Freitag“, mündete. Aktien außerländischer Unternehmen reagierten empfindlich auf diese Veränderung. „Bei Venezuela-Anleihen können wir bisher keinen Rückzug der Investoren feststellen“, berichtet Gregor Daniel von der Wertpapierhandelsgesellschaft Walter Ludwig. Eine bis 2015 laufende Euro-Anleihe (WKN A0DZ45), die in den vergangenen Wochen im Fokus der Anleger stand, hat bisher nicht an Beliebtheit eingebüßt. Der Kurs hält sich bei etwa 85 Prozent.

In Argentinien sorgt die Staatspräsidentin Kirchner in einem Kampf mit dem Zentralbankchef Redrado für Unruhe. „Kirchner will, dass der Staatsbankchef Devisenreserven freigibt, um einen Teil der Staatsschulden zu begleichen. Redrado hat sich geweigert, wurde entlassen und hat sich in sein Amt zurückgeklagt“, berichtet ein Händler der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Ein solches Theater würde dem Vertrauen in Argentinien nach der Staatspleite im Jahr 2001 nicht hilfreich sein. Argentinien-Anleihen haben in dieser Woche kräftig verloren.

Neuemissionen im Fokus

Petz

Eine wahre Flut an Neuemissionen ergoss sich in dieser Woche über die investitionswilligen Anleger. „Heidelberger Cement platzierte insgesamt 1,5 Milliarden Euro in zwei Tranchen mit fünf und zehn Jahren Laufzeit. Vor allem die bis 2015 laufende Anleihe, die mit 6,5 Prozent (WKN A1C90M) verzinst ist, stoße besonders auf große Nachfrage bei Privatanlegern, meldet Rainer Petz von Close Brothers Seydler. Das bis 2020 laufende Schwesterpapier – ausgestattet mit einem Kupon von 7,5 Prozent – sei ebenfalls beliebt. „Sehr gut aufgenommen wurde auch eine Anleihe von Fresenius Medical Care, die bis 2016 läuft und mit 5,5 Prozent verzinst ist.“ Am Kaufverhalten der Anleger habe sich nicht viel verändert. „Die größte Nachfrage konzentriert sich auf bekannte Namen und eine möglichst hohe Rendite, unabhängig vom Rating“, sagt Petz.

Daimler platzierte 2 Milliarden Euro in zwei Tranchen mit 3,5 und 7 Jahre Laufzeit, die mit 3 bzw. 4,125 Prozent verzinst sind. „Wie stark sich die Kreditmärkte binnen zwölf Monaten erholt haben, zeigt der Vergleich zum Vorjahr. Daimler musste damals seinen Anlegern noch einen 9 Prozent-Kupon für eine dreijährige Anleihe bieten. Bei der jetzigen Neuemission ist es gerade mal ein Drittel“, kommentiert Klaus Stopp von der Baaderbank. Die Anleihen werden nächste Woche eingeführt.

BMW schließlich brachte zwei neue Anleihen im Volumen von insgesamt 2,5 Milliarden Euro und Laufzeiten von drei und einem Kupon von 2,875 Prozent bzw. sieben Jahren und einem Kupon von 3,875 Prozent.

© 15. Januar 2010 / Dorothee Liebing

© Deutsche Börse AG

No related posts.

Ähnliche Artikel bereitgestellt von Yet Another Related Posts Plugin.

Gib Deinen Kommentar ab

Sag uns, was Du dazu meinst ...
und wenn Du ein Bild neben Deinem Kommentar sehen möchtest, benutze einen Gravatar!