Anleihen: Von fernen Ländern gelockt

12. Februar 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Eindeutig drücken wieder die Turbulenzen um die griechischen Staatsfinanzen dem Rentenmarkt ihren Stempel auf. „Die übrigen Wirtschaftsdaten wie der gestiegene Export oder das schwächer als erwartet ausgefallene deutsche Bruttoinlandsprodukt sind dadurch in den Hintergrund getreten“, beschreibt Arthur Brunner von ICF die Situation für die Marktteilnehmer.

Nachdem sich Mitte dieser Woche eine Hilfe für Griechenland abgezeichnet hat, fiel der Bund-Future wieder unter die Marke von 124 Punkte. Das jetzige Niveau stelle lediglich eine Normalisierung um den eigentlichen Trendverlauf dar, meint Brunner. „Jedoch reagierten die Rentenmärkte nicht so nervös wie die Devisenmärkte, die am Donnerstag enttäuscht über das Nichtbenennen konkreter Hilfsmaßnahmen für Griechenland den Euro gegenüber dem US-Dollar wieder auf Talfahrt schickten.“ Der Renditeabstand der zehnjährigen griechischen Staatsanleihe zur vergleichbaren Bundesanleihe verringerte sich im Wochenverlauf von 363 auf 273 Basispunkte. Die aktuelle Rendite beträgt 5,945 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe beträgt aktuell 3,21 Prozent. Der Bund-Future notiert heute zur Mittagszeit bei 123,36 Punkten.

Daniel

Privatanleger greifen nach wie vor zu griechischen Anleihen – vor allem zu Papieren mit kürzeren bis mittleren Restlaufzeiten wie die vor kurzem emittierte bis 2012 laufende griechische Staatsanleihe (WKN A0T6US). „Schaut man sich die Renditekurve an, ist das auch verständlich“, erläutert Gregor Daniel von der Wertpapierhandelsgesellschaft Walter Ludwig. Im zweijährigen Bereich liegt die Rendite bei 5,1 Prozent, Anleihen mit einer Restlaufzeit bringen 5,9 Prozent, eine zehnjährige ebenso.“

Institutionelle Anleger verabschieden sich zunächst, wie in der vergangenen Woche, aus iBoxx-ETFs und greifen stattdessen zu eb.rexx-ETFs mit Bundesanleihen. Allerdings, so geben die Market Maker von der Hypovereinsbank durch, hätten die Verkäufe in iBoxx-ETFs weitgehend nun aufgehört, seit die EU eine Unterstützung für Griechenland zugesagt hat. Doch es sei noch nicht zu einer Trendwende gekommen.

Euro-Schwäche macht Währungs-Anleihen beliebt

Die Schwierigkeiten der PIGS-Staaten – wie die europäischen Peripheriestaaten mit Finanz- und Bonitätsschwierigkeiten nun genannt werden – und die daraus folgende Euroschwäche lasse einige Investoren nun wieder zu Währungsanleihen greifen, meldet Daniel. Jedoch ist nicht der US-Dollar gefragt, sondern Südafrikanischer Rand oder Türkische Lira. Gekauft wurde ein Papier der KfW, notiert in Südafrikanischem Rand (WKN A0E9TN). Die Anleihe läuft bis August 2012 und rentiert mit 8,38 Prozent. Eine EIB-Anleihe in Türkischer Lira (WKN A1AR39) mit einer Laufzeit bis 2014 und einer Rendite von 9,83 Prozent war ebenfalss gesucht.

Im Kielwasser der PIG-Staaten

Stopp

Abzulesen sei die anhaltende Unsicherheit bei Unternehmensanleihen an der Entwicklung der Indexfamilie I-Traxx, deren Einzelindizes den Abstand ihrer Mitgliedsemissionen zu Anleihen mit erstklassiger Bonität widerspiegeln, schreibt Klaus Stopp von der Baader Bank. „Steigt der Indexwert, ist die Nachfrage nach den darin enthaltenden Emissionen zurückgegangen. Oder anders ausgedrückt, der Spread-Aufschlag für Emissionen mit schwacher Bonität nimmt zu.“ Der I-Traxx Europa legte um 5 Basispunkte zu, der X-Traxx Xover um 24.

Hochzinsanleihen sind derzeit also wenige beliebt. Abzulesen ist diese Entwicklung auch am Beispiel der Heidelberger-Zement-Anleihen, die vor einiger Zeit emittiert worden sind. Beide Papiere, sowohl die bis 2020 (WKN A1C90N) und die bis 2015 (WKN A1C90M) laufende Anleihen, sind im gegenüber der vergangenen Woche nochmals gefallen und notieren einiges unter dem Reoffer-Preis.

Multicredit-Anleihen mit Focus Südeuropa konnten größere Kursgewinne verbuchen, allerdings war hier das Interesse der Anleger nicht allzu groß.

Im Schatten dieser Großereignisse verkündete die IKB diese Woche den Garantierahmen des Soffin um 2 Euro auf 10 Milliarden zu reduzieren. Daraufhin kam es vor allem am Mittwoch zu größeren Umsätzen in einer Nachranganleihe der IKB (WKN 273032). Das Papier hat einen Coupon von 4,5 Prozent und ist im Juli 13 fällig. Bei einem Preis von 78,5 beträgt die Rendite 12,66 Prozent.

Tausch bei Venezuela-Anleihe

Die US-Dollar-Stärke auf der anderen Seite führt nicht zu besonderen Nachfrage bei US-Dollar-Anleihen. Es ist jedoch bei einer Venezuela-Anleihe in US-Dollar vermutlich zu Gewinnmitnahmen (WKN A0DDU8) gekommen. Das Papier wurde in eine etwas länger laufende Euro-Anleihe getauscht (WKN A0DZ45).

© 12. Februar 2010 / Dorothee Liebing

Emittent / Typ Laufzeit WKN Kupon
GRIECHENLAND 09/12 2012 A0T6US 4,3 %
KRED.F.WIED.05/12 MTN RC 2012 A0E9TN 7,25 %
EIB EUR.INV.BK 10/14 MTN 2014 A1AR39 10 %
HEIDEL.CEMENT NTS 10/20 2020 A1C90N 7,5 %
HEIDELB.CEM. 10/15 2015 A1C90M 6,5 %
IKB MTN R.332 2013 273032 7,5 %
VENEZUELA 04/14 2014 A0DDU8 8,5 %
VENEZUELA 05/15 INTL 2015 A0DZ45 7 %

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