Anleihen: Zurück zum Tagesgeschäft

4. Dezember 2009. Frankfurt (Börse Frankfurt). Der Zahlungsausfall des Wüstenstaates war ein Sturm im Wasserglas – ein Gespenst, das die Aktienmärkte schnell vertreiben konnten: Es gibt keine neue Finanzkrise. Auf der Anleihenseite ließen Investoren am Wochenanfang noch Vorsicht walten bei Unternehmensanleihen. „Doch gute US-Konjunkturdaten und positive US-Aktienmärkte für eine Trendwende“, schreibt Klaus Stopp von der Baader Bank.
EZB verharrt auf Niedrigzinsniveau
Auf ihrer gestrigen Ratssitzung hat die EZB den Leitzins auf dem historisch niedrigen Niveau von einem Prozent belassen. Die guten Nachrichten aus dem Haus der Währungshüter: Die Konjunkturprognosen wurden angehoben. „So wird nun für 2010 ein BIP-Wachstum zwischen 0,1 und 1,5 Prozent erwartet, wobei nach wie vor beträchtliche Risiken bestünden. Der Inflationsausblick bleibt verhalten, die Jahresteuerung sollte bis einschließlich 2011 deutlich unter der Zielzone verharren“, berichten die Volkswirte der HSH Nordbank.
Dass die Zinsen nicht angehoben würden, hätten die Marktteilnehmer erwartet, meint ein Händler. Mit Spannung jedoch seien die Aussagen zum Ausstieg aus der expansiven Liquiditätspolitik der EZB beobachtet worden. So wird nun Geld an Banken nicht mehr zu nicht zum geltenden Leitzins an Banken verliehen, sondern zum durchschnittlichen Leitzins über die gesamte Laufzeit. „Mit eventuellen Anhebungen bis Ende 2010 würde sich diese entsprechend verteuern. Damit soll verhindert werden, dass sich die Banken langfristig zum niedrigen Leitzins mit Liquidität voll saugen“, erklären die HSH-Analysten. Die Zinsgewaltigen hätten deutlich signalisiert, dass der Exit nun auch wirklich angegangen werde und einen klaren Fahrplan vorgelegt. Gleichzeitig gebe es kein abruptes Ende der Unterstützung.
„Es zeigt sich erneut, dass die Rentenmärkte die weitere wirtschaftliche Entwicklung bei weitem nicht so rosig sehen wie die Aktienmärkte. Auch die Andeutung der EZB, die lockere Geldmarktpolitik in den kommenden Monaten zurück zu fahren, konnte die Märkte nicht weiter beeinflussen“, kommentiert Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Unbeeindruckt von den volatilen Aktienmärkten habe der Bund-Future auf dem hohen Niveau, das letzte Woche bereits mit dem Durchbrechen der Marke von 123 erreicht wurde, verharrt. Heute zur Mittagszeit notiert der Bund-Future bei 123,4 Punkten. Eine zehnjährige Bundesanleihe wirft eine Rendite von 3,17 Prozent ab.
Synthia-Anleihe auf Dubai
Brunner„Es war eine ruhige Woche, wobei es auch bei den Neuemissionen entspannter geworden ist“, meldet Brunner. Interessant sei der Kursverlauf einer „Synthia-Anleihe“ der Landesbank Baden-Württemberg (WKN LBW64N), deren Verzinsung von der Bonität Dubais abhängt. Die Anleihe konnte sich im Laufe der Woche von 83 auf 92 verbessern. Vor der Ankündigung des Schuldenmoratoriums lag der Preis bei 99 Prozent. Größere Umsätze waren nicht zu beobachten.
Quo vadis Griechenland?
Griechenlands Schuldenberg versetzt Anleger in Sorge. „Das Land wird im kommenden Jahr mit einer Rekordverschuldung von 125 Prozent des BIP das höchste Defizit aller Euroländer aufweisen“, sagt Klaus Stopp. Die Angst vor einem Zahlungsausfall sorge bei den Bonds für eine erneute Spread-Ausweitung gegenüber soliden Staatsanleihen. Beruhigende Worte kommen aus Brüssel, da Griechenland von der Europäischen Union unterstützt wird und nicht ausfallen werde, wie der EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquin Almunia sagte.
Austral-Dollar steht hoch im Kurs
Auch diese Woche setzten Investoren aus Anleihen, die in Australischen Dollar notiert sind. Neben der in der vergqangenen Woche bereits erwähnten Anleihe von Nestlé (WKN A1AQCN) beobachten die Skontroführer der Wertpapierhandelsgesellschaft Walter Ludwig bei einer BMW-Unternehmensanleihe (WKN A1ANB9) eine erhöhte Nachfrage. Das Papier läuft bis 2013 und ist mit 7,25 Prozent verzinst. Bei einem aktuellen Kurs von 103,25 beträgt die Rendite 6,25 Prozent.
Renault läuft VW den Rang ab
Die Franzosen bauen nicht nur die sinnlicheren Autos, sondern faszinieren Investoren derzeit mit einer neuen Anleihe (WKN A1AQNB), die bis 2011 läuft und mit 3,125 Prozent verzinst ist. Die Kapitalturbulenzen, die derzeit bei VW bestünden, ließen Anleger gegenüber dem Wolfsburger Autokonzern vorsichtiger agieren, berichtet ein Händler. Zudem habe VW eine noch bis 2014 laufende Anleihe (A0BNZK) vorzeitig gekündigt. „Vielleicht nutzen Investoren die Gelegenheit und tauschen gegen die Renault-Anleihe“, meint ein Skontroführer der Hellwig Wertpapierhandelsbank.
© 4. Dezember / Dorothee Liebing
© Deutsche Börse AG
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