Auslandsaktien: BRIC im Blick

14. Januar 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Es geht voran, aber langsam. Der am Mittwoch vorgelegte Konjunkturbericht der US-amerikanischen Zentralbank, das Beige Book, meldet einen leichten wirtschaftlichen Aufschwung. Trotz einiger Enttäuschungen zum Auftakt der beginnenden Berichtssaison scheinen sich die internationalen Aktienmärkte auf hohem Niveau zu stabilisieren. „Solange die Fed die Zinsen nicht anhebt, haben die Aktienmärkte noch ausreichend Luft nach oben“, bemerkt Walter Vorhauser von der Close Brothers Seydler Bank.

Heineken: Sicheres Standbein in Lateinamerika

Die größte Brauerei Europas, Heineken (WKN A0CA0G), hat für 5,3 Milliarden Euro die zweitumsatzstärkste Brauerei Mexikos und Nummer vier in Brasilien, namentlich FEMSA Cerveza, gekauft. Laut Vorhauser wird dieser Schritt von Analysten übereinstimmend als richtig bewertet. „Heineken hat damit seine Marktanteile in den Schwellenländern von 32 auf 40 Prozent erhöht“, bemerkt Vorhauser, „die Übernahme ist ein wichtiger strategischer Schritt“. Der Deal soll im zweiten Quartal 2010 abgeschlossen werden. Die Nachricht hat nach Bekanntgabe den Kurs beflügelt, er legte noch am Dienstag um 6 Prozent zu und steht mittlerweile bei 34,67 Euro. Aktienanalysten hätten das Papier neu bewertet und geben ihm ein Kursziel von bis zu 40 Euro, weiß der Skontoführer.

Japan Airlines: Insolvenz angestrebt

Stadler

Im freien Fall befindet sich das Papier der Japan Airlines (WKN 777495). Von knapp 100 Yen Anfang des Monats ist die Aktie am Dienstag auf 37 Yen und am Mittwoch auf 7 Yen abgestürzt. Wie Roland Stadler von der Baader Bank berichtet, ist das Unternehmen zum Eineinhalbfachen seines eigenen Wertes verschuldet. Die Geschichte der Fluggesellschaft sei aber noch nicht zu Ende: „Die drei größten privaten japanischen Banken haben ihre Bereitschaft zu teilweisem Schuldenerlass signalisiert. Der ehemalige Kyocera Gründer Kazuo Inamori wird auf Bitten der japanischen Regierung das Unternehmen durch die schwierige Lage führen. Inamori ist mittlerweile 77 Jahre alt, hat die letzten Jahre als buddhistischer Mönch gelebt und soll dem bürokratischen Staatskonzern zu neuem Licht verhelfen.“ Am Dienstag kommender Woche wolle die staatliche Insolvenzgesellschaft ETIC ihren Plan vorlegen.

Baidu: Gewinner des Google-Eklats

Der klare Gewinner der Debatte rund um den möglichen Rückzug des Suchmaschinenbetreibers Google aus dem Reich der Mitte ist der chinesische Anbieter Baidu (WKN A0F5DE). Vorhauser erläutert: „Mit der Zensur hatte sich Google bislang abgefunden, nun hat aber die Regierung oder gut bezahlte Amateure gezielt die Daten von Menschenrechtsaktivisten gehackt.“ Weiter meint der Spezialist: „Der Markt hat ein geschätztes Potential von einer Milliarde US-Dollar. Baidu hält davon 60 Prozent, Google etwa 30 Prozent.“ Das sei ein riesiger Topf, aber Google müsse seine Vertrauensposition verteidigen. Der Kurs von Baidu hat von Dienstag auf Mittwoch bereits um 7 Prozent auf 284,80 Euro zugelegt und notiert aktuell bei 302 Euro.

Barry Callebaut: Lust auf Schokolade

Vorhauser

Trotz krisenbedingt gesunkener Absatzmengen auf dem globalen Schokoladenmarkt konnte sich der schweizerische Konzern Barry Callebaut (WKN 914661) im vergangenen Quartal gut behaupten. Der weltweit größte Schokoladenhersteller verkaufte 362,973 Tonnen Süßes für insgesamt 1,45 Milliarden Schweizer Franken. Zu dem Wachstum hätten am meisten die Regionen Asien mit einem Plus von 17,7 Prozent sowie Nord- und Südamerika mit einem Plus von 15,6 Prozent beigetragen. Dort habe man das Geschäft mit zahlreichen Verkaufsförderungsaktivitäten von Gourmet & Spezialitätenprodukten gepusht. „Das Unternehmen ist für die kommende Zeit gut aufgestellt und lässt auf Wachstum hoffen“, glaubt Vorhauser. Dazu trage nicht zuletzt die Akquisition des spanischen Schokoladenherstellers Chocovic bei, die die spanische Wettbewerbsbehörde bereits genehmigt hat. Der Aktienkurs hat sich mit den guten Zahlen und Perspektiven weiter positiv behauptet und notiert aktuell bei 447,5 Euro. „Seit November ist das ein Plus von knapp 20 Prozent“, stellt der Skontroführer fest.

Renaissance der Rohstoffe

Die Aktien des australisch-britischen Bergbaukonzerns Rio Tinto (WKN 868009) haben heute überraschend um rund 2,6 Prozent zugelegt, berichtet Vrbsky. Grund dafür seien gute Produktionsdaten, insbesondere der hohe Anstieg der Herstellung von Eisenerz. Die rege Nachfrage aus China habe die Produktion im vierten Quartal um fast 50 Prozent nach oben katapultiert. „Die Nachfrage nach Rohstoffen im Wachstumsmarkt China wird sich fortsetzen“, vermutet Jan Vrbsky von der Baader Bank. Dementsprechend hätten die Aktien der Wettbewerber Xtrata (WKN 552834) um 2,5 Prozent und die von BHP Billiton (WKN 850524) um rund 2 Prozent dazu gewonnen.

© 14. Januar 2010/Margarethe Dawo

Ausländische Unternehmen im Überblick

Unternehmen Branche Land WKN
Heineken Nahrungsmittel Niederlande A0CA0G
Japan Airlines Fluggesellschaften Japan 777495
Baidu Internet China A0F5DE
Barry Callebaut Nahrungsmittel Schweiz 914661
Rio Tinto Bergbau Australien 868009
Xstrata Bergbau Schweiz 552834

© Deutsche Börse AG

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