Auslandsaktien: Technik zieht die anderen mit

18. März 2010. FRANKFURT. Anhaltende Zuversicht sorgt für Höchststände der internationalen Indizes. US-Zentralbank-Chef Ben Bernanke behält das niedrige Zinsniveau bei, der DAX überspringt die 6.000er-Hürde, der Euro stabilisiert sich und auch die Sorgen um die Staatsverschuldung Griechenlands haben sich gelegt.
Jan Vrbsky von der Baader Bank erläutert: „Die Aktienkurse in den USA steigen jetzt schon sieben Tage in Folge, die Stimmung schwappt auch auf die europäischen Märkte über. Es gibt zudem viel Liquidität im Markt.“ Private Konsumfreude und unternehmerischer Investitionswille hätten gleichermaßen angezogen. Eines der ersten Ziele für Unternehmensinvestitionen sei der Bereich Informationstechnik. So wundert es nicht, dass nach der Talsohle hier zuerst die Kurse steigen. „Durch die niedrigen Zinssätze investieren viele Unternehmen und rüsten nach“, bemerkt Walter Vorhauser von der Close Brothers Seydler Bank. Weiteren Nachholbedarf sieht der Skontroführer im Reich der Mitte: „Die Anzahl der IT-Nutzer in China ist im vergangenen Jahr um satte 29 Prozent gestiegen.“
Intel: Schon wieder die Nase vorn
Die weiter gestiegene Nachfrage nach Computern, vor allem in China und dem gesamten Pazifikraum, hat dem Kurs des Chipherstellers Intel (WKN 855681) einen kräftigen Schub gegeben. Am Dienstag, nach Veröffentlichung aktueller Zahlen, konnte die Aktie 4 Prozent zulegen und notiert aktuell bei 16,18 Euro. Anfang Februar stand sie noch bei 13,80 Euro. Für die erfreuliche Entwicklung gibt es laut Vorhauser mehrere Gründe: „Intel hat mit seinen Gewinnaussichten die Erwartungen der Analysten weit übertroffen. Außerdem ist der neue XEON-Prozessor draußen, also Servertechnik in 32 Nanometer, damit hat Intel AMD schon wieder abgehängt. Nicht zuletzt plant Intel jetzt mit Sony und Google die Entwicklung von Geräten, die Internetdienste wie z.B. Twitter am Fernseher verfügbar machen sollen.“
Tencent Holding: Riesengewinne durch Social Networking Services
Auf einmal wollen es alle haben: Social Networking via Internet bescherte der chinesischen Tencent Holding (WKN A0YAJU) im vergangenen vierten Quartal ein Umsatzplus von fast 74 Prozent auf 1,8 Milliarden US-Dollar und einen um 85,5 Prozent gestiegenen Gewinn. Laut Vorhauser kommt der größte Teil des Erfolges aus der um 20 Prozent gestiegenen Nutzung des Dienstes „Xiaoyou“, das bedeute so viel wie „Schulfreunde“. Das Geschäft mit Online-Spielen sei dagegen nur um 1,7 Prozent gewachsen. „Die Aktie hat einen enormen Sprung gemacht, sie lag im ersten Quartal 2009 noch bei 4 Euro, jetzt, kurz vor der Veröffentlichung der Zahlen hatte sie ihr Allzeithoch von 16 Euro erreicht“, erläutert der Skontroführer. Aktuell notiert die Aktie etwas leichter bei 14,80 Euro.
China Mobile: weiter auf Wachstumskurs
Über erfreuliche Geschäftszahlen und Perspektiven für den Mobilfunkanbieter China Mobile (WKN 909622) berichtet Vrbsky. Der mit rund 500 Millionen Kunden weltweit größte Netzbetreiber habe sein bisher bestes Quartalergebnis präsentiert und die Erwartungen der Marktteilnehmer übertroffen. „Sogar der Umsatz pro Kunde konnte gesteigert werden, das ist bei den Wettbewerbern eher umgekehrt“, betont der Skontroführer. Der Aktienkurs legte nach Bekanntgabe der Zahlen um 1 Prozent zu und steht aktuell bei 7,19 Euro. Laut Vrbsky setzt das Unternehmen zukünftig auf Wachstum rund um das mobile Internet. „Besonders die Zusatzapplikationen wie Spiele- und Musik-Downloads haben bereits Akzeptanz bei den Kunden gefunden.“ Auch im E-Commerce-Segment plane China Mobile zusätzliche Geschäfte, nachdem man sich erst kürzlich mit 20 Prozent an der Shanghai Pudong Development Bank beteiligt hatte.
General Electric setzt positive Signale

Vorhauser
Der Mischkonzern General Electric (WKN 851144) hat nach der Aussage von Analysten die Talsohle durchschritten und rechne für das Geschäftsjahr 2011 mit einem Gewinnwachstum. Positive Signale kämen aus der Medizintechniksparte und dem Bereich Flugzugtriebwerke. Nachdem im vergangenen Jahr die Dividende um 68 Prozent beschnitten worden war, wolle GE 2010 wieder Gewinne ausschütten. Zum Ende des Jahres erwarte man einen Barbestand von 25 Milliarden US-Dollar. „Der Konzern hat vor allem unter GE Capital gelitten“, weiß Vorhauser. Nun sei man aber der Auffassung, dass die Abschreibungen durch Kreditkartenausfälle und andere Wertpapierverluste in der zweiten Jahreshälfte 2010 zurückgehen werden. Die Anleger honorierten die positiven Aussichten. An der Börse Frankfurt legte der Kurs um 10 Prozent zu und notiert aktuell bei 13,16 Euro.
Nike im Fußball-WM Fieber
Im vergangenen Jahr stand das US-amerikanische Unternehmen Nike Inc. (WKN 866993) noch mit einschneidenden Umstrukturierungen und Kostenprogrammen in den Schlagzeilen. Laut Vrbsky präsentiert sich der weltgrößte Sportartikelhersteller mittlerweile in Topform. Im dritten Quartal habe Nike seinen Nettogewinn mit 496 Millionen US-Dollar mehr als verdoppelt. „Am meisten profitiert hat Nike vom Wachstum in den Schwellenländern“, weiß Vrbsky. Die erfreuliche Nachricht hat den Aktienkurs um ganze 5 Prozent beflügelt, auf aktuell 54,20 Euro. „Nicht nur die Zahlen, sondern vor allem der positive Ausblick sorgen für Phantasien auf gute Geschäfte“, bemerkt der Skontroführer, „Der Hoffnungsträger ist wohl die bevorstehende Fußball-WM.”
© 18. März 2010/Margarethe Dawo
Ausländische Unternehmen im Überblick
| Unternehmen | Branche | Land | WKN |
|---|---|---|---|
| Intel Corp. | Halbleiter | USA | 855681 |
| Tencent Holding | Internet | Caiman Islands | A0YAJU |
| China Mobile | Telekommunikation | China | 909622 |
| General Electric Co. | Industrie | USA | 851144 |
| Nike | Konsumgüter | USA | 866993 |
© Deutsche Börse AG
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