Markttechnik: Für neue Hausse noch nicht reif

3. März 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Stimmung an den Börsen hat sich seit dem vergangenen Freitag zwar klar verbessert, Hoffnungen auf weitere Schritte Griechenlands zur Reduzierung der Schulden sorgen für etwas Entspannung. Das zeigt auch die aktuelle Sentimenterhebung der Börse Frankfurt. Charttechniker warnen aber weiterhin vor zu viel Überschwang. Sie verweisen auf wichtige Hürden, die der DAX erst noch überwinden müsse. Viele Analysten reiben sich auch an der fehlenden Marktbreite: Die geringen Umsätze deuteten darauf hin, dass die Zeit für eine neue Hausse-Bewegung noch nicht reif sei, meint etwa die Commerzbank. Heute Mittag notiert der deutsche Leitindex bei 5.763 Punkten leicht im Minus.
Staud: Zu früh für Entwarnung
StaudEiner der technisch orientierten Analysten, die vorsichtig bleiben, ist Wieland Staud von Staud Research: „Die Entwicklung der vergangenen Tage war zwar gut, für eine Entwarnung ist es aber noch zu früh“, meint der Analyst. DAX-Stände über 6.000 werden seiner Einschätzung nach so schnell nicht mehr erreicht werden. Allerdings wertet Staud die Tatsache, dass der deutsche Leitindex gestern oberhalb der Stauzone von 5.750/5.760 Punkten aus dem Handel ging, durchaus positiv. Damit liefen die Bären jetzt höchste Gefahr, ihr analytisch größtes Pfand aus den Händen zu verlieren.
Uneingeschränkt optimistisch gibt sich Staud aber nicht: „Wir haben bei 5.850 Punkten eine sehr beachtliche Widerstandszone“, erklärt er. Erst wenn das deutsche Aktienbarometer darüber klettere, könne möglicherweise erstmals über ein Ende der Korrekturphase nachgedacht werden. Unmittelbar neue Gefahr drohe bei einer Rückkehr unter 5.620 Zähler. Insgesamt lautet sein Motto zur Wochenmitte „Kurzfristig verhalten optimistisch“.
Das Gröbste laut WestLB noch nicht überstanden
HenkeChristian Henke von der WestLB rechnet mittelfristig mit weiter steigenden Kursen, allerdings nur, solange die Glättungslinie steige und der DAX sich darüber halte. Kurzfristig ist der Charttechniker nur eingeschränkt positiv gestimmt. „Erst oberhalb der Widerstände bei 5.760 und 5.850 Punkten sowie der Verlaufshochs bei 6.048/6.094 Zählern wäre das Gröbste überstanden“, meint Henke. Bis dahin ist es seiner Ansicht nach für den deutschen Leitindex aber noch ein langer Weg.
Henke sieht den DAX seit Mitte Januar in einer Korrekturphase. „Es wäre noch tiefer gen Süden gegangen, wenn die steigende 200-Tage-Durchschnittslinie den Fall nicht abgebremst hätte“, urteilt er. Am 5. Februar habe der DAX mit 5.434 Punkten knapp oberhalb der Glättungslinie bei 5.402 Zählern geschlossen. Davon sei der Index nach oben abgeprallt, ein Kursfeuerwerk wäre jedoch ausgeblieben. Laut Henke konnte die horizontale Schiebezone bei 5.572/5.575 Punkten zwar zurückerobert werden, nach oben versperre aber ein ganzes Widerstandsbündel den Weg.
Bei Überwinden der Hürden Potenzial bis 6.400 Punkte
Zu den Hürden zählen Henke zufolge zum einen die Haltelinien bei 5.750 und 5.850 Zählern: „Diese Widerstände kommen sowohl auf Tages- als auch auf Wochenbasis vor und sollten daher ernst genommen werden.“ Eine weitere Hürde seien die Jahreshochs bei 6.048/6.094 Punkten. „Sollte jedoch das Widerstandsbündel nachhaltig eliminiert werden, trauen wir dem DAX ein Kurspotenzial bis zuerst 6.400 Punkte zu“, resümiert Henke.
Marktstimmung wieder besser
Die Marktstimmung hat sich im Übrigen wieder etwas aufgehellt, wie die aktuelle Sentimenterhebung der Börse Frankfurt bei 300 aktiven Investoren zeigt. Der Bull/Bear-Index kletterte auf 60 Punkte. 5 Prozent mehr Anleger als in der Vorwoche rechnen mit steigenden Kursen. , insgesamt sind es nun 45 Prozent. Das negativ eingestellte Lager schrumpfte leicht um 3 auf 27 Prozent. Noch deutlicher ist der Stimmungsumschwung bei den Technologiewerten: Beim TecDAX verzeichneten die Bullen einen satten Zuwachs von 14 auf 50 Prozent, während die Pessimisten mit 30 Prozent jetzt deutlich in der Minderheit sind. Die absolute Marktstimmung ist mit 64,3 wieder klar positiv.
Die vollständige Analyse gibt es heute nachbörslich bei www.boerse-frankfurt.de/sentiment.
© 3. März 2010/Anna-Maria Borse
© Deutsche Börse AG
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