Markttechnik: Gefahr des Richtungswechsels steigt

24. März 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Anders als viele US-amerikanische Indizes hat der DAX sein Verlaufshoch noch nicht geknackt. Nach Ansicht vieler technischer Analysten dürften dann wichtige Kaufsignale ausgelöst werden. Bislang überwiegt aber noch die Skepsis. Immer wieder wird auf die niedrigen Umsätze in Anstiegsbewegungen verwiesen. Die Marktstimmung bleibt indes positiv, das ist zumindest das Ergebnis der aktuellen Sentimenterhebung der Börse Frankfurt. Am frühen Nachmittag notiert der deutsche Leitindex bei 6.020 Punkten.

Ungünstiges Szenario wahrscheinlicher

Savas Demirtas von der SEB bleibt vorsichtig, er hält die Abwärtsrisiken für etwas größer als die Aufwärtschancen. „Entscheidend für den Handelsverlauf in den nächsten Handelstagen ist der Widerstand bei 6.048 und die Unterstützung bei 5.871 Punkten“, erläutert der Investmentstratege. Solange keine dieser Marken signifikant über- oder unterschritten werde, bleibe es wahrscheinlich weiterhin bei dem richtungslosen Handel.

Beim Erreichen der Marken sieht die SEB folgende Möglichkeiten: „Im besten Fall gelingt dem DAX der Ausbruch über 6.048 Punkte, womit sich weiteres Potenzial bis zum Jahreshoch bei 6.094 eröffnen würde“, prognostiziert Demirtas. Im ungünstigsten Fall gehe der DAX bis unter 5.871 Punkte zurück. Das werde die Abwärtsbewegung bis mindestens zur Unterstützung bei 5.748 Punkten beschleunigen, befürchtet er. Die SEB misst dem Negativ-Szenario eine leicht höhere Wahrscheinlichkeit bei als dem Erreichen eines neuen Jahreshochs – zumal der Anstieg seit Anfang März bisher ohne jegliche Korrekturen vonstatten gegangen sei, wie Demirtas anführt.


Schmidt

Ermüdungserscheinungen beim DAX

Nach Ansicht von Christian Schmidt von der Helaba steigt die Gefahr, dass der DAX in Kürze einen Richtungswechsel vollzieht. Zwar sei es dem Leitindex zuletzt gelungen, seine am 8. März begonnene Aufwärtsimpulsbewegung auszudehnen. Entsprechend befänden sich die trendfolgenden Indikatoren weiter im Longmodus, allerdings habe sich der Abstand der beiden Teilindikatoren des DMI (DI+ und DI-) verringert. „Dieser Fakt spricht dafür, dass sich die Bewegungsintensität verringert, was auf Ermüdungserscheinungen des Index hindeutet“, meint Schmidt. Der rückläufige Wert des ADX (Average Directional Movement Index) und die eher unterdurchschnittlichen Umsätze in der letzten Anstiegsbewegung untermauerten diesen Eindruck zusätzlich.

Weitere Warnsignale, dass die charttechnische Situation des deutschen Leitindex nicht mehr idealtypisch verläuft, sind laut Schmidt die negativen Divergenzen im RSI (Relative Strength Index) und des OBV (On-Balance-Volume). Letztgenannter habe bereits seine steigende Tendenz verlassen, was insbesondere von Bedeutung sei, da diesem eine zeitliche Vorlaufeigenschaft gegenüber dem Basiswert zugeschrieben werde. „Kommt es zum Richtungswechsel, lautet das erste Kursziel 5.937 Punkte“, erklärt Schmidt. Auf diesem Level fänden sich einerseits eine Gannlinie und andererseits ein Fibonacci-Retracement, was der Marke einen besonders nachhaltigen Charakter verleihe. Weitere Korrekturmarken sieht er bei 5.841 und 5.762 Zählern. „Sollte entgegen meiner Erwartung ein Ausbruch über die wichtige Widerstandsmarke bei 6.040 Zählern gelingen, geht von den Marken bei 6.091 und 6.166 Punkten ein starker Widerstand aus“, ergänzt er.

Marktstimmung bleibt positiv

Die Marktstimmung hat sich der aktuellen Sentimenterhebung der Börse Frankfurt zufolge gegenüber der Vorwoche kaum verändert. Bei den Bluechips zeigten sich 52 Prozent der befragten 300 aktiven Investoren zuversichtlich, in der vergangenen Woche waren es 53 Prozent, das Bärenlager legte um 1 auf 28 Prozent zu. Der Bull/Bear-Index ging daher leicht zurück auf 63,3 Punkte, liegt aber immer noch sehr deutlich im optimistischen Bereich. Beim TecDAX kletterte der Bull/Bear-Index nochmals an, und zwar auf 67,9 Punkte. Die Bullen verzeichneten ein Plus von 1 auf 53 Prozent, die Pessimisten sind mit einem Minus von 3 auf 28 Prozent ganz klar in der Minderheit.

Die vollständige Analyse gibt es heute nachbörslich bei boerse-frankfurt.de/sentiment.

© 24. März 2010/Anna-Maria Borse

© Deutsche Börse AG

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