Markttechnik: Rücksetzer möglich

10. März 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nach einem Jahr Aktienhausse – gestern vor zwölf Monaten war der DAX auf sein Tief von 3.589 Punkten abgesackt – sind die meisten fundamental argumentierenden Analysten davon überzeugt, dass es noch weiter nach oben gehen wird. Charttechniker sind allerdings vielfach skeptischer. Viele von ihnen warnen im Moment vor Rückschlagsgefahren.

Tatsächlich hat die Aufwärtsbewegung deutlich an Schwung verloren, der DAX tritt derzeit auf der Stelle. Bei den Anlegern gibt es nach wie vor mehr Optimisten als Pessimisten, lediglich bezüglich der Technologiewerte hat sich die Stimmung leicht eingetrübt, wie die aktuelle Sentimenterhebung der Börse Frankfurt ergeben hat. Am frühen Nachmittag notiert der deutsche Leitindex bei knapp 5.000 Punkten leich tim Plus.

SEB: Trend nach unten

„Die Tendenz ist zumindest für den DAX in den nächsten Tagen eher negativ“, meint Savas Demirtas, Investmentstratege bei der SEB. Insgesamt gehe dem deutschen Aktienbarometer nach dem starken Anstieg in der vergangenen Woche etwas die Kraft aus. „Dies ist vor allem deutlich an den kürzerfristigen Overbought/Oversold-Indikatoren zu erkennen“, erläutert Demirtas. So drehten der RSI (Relative-Stärke-Index) und die Stochastiks, die sich im überkauften Bereich befänden, nach unten ab und signalisierten die Aufnahme einer Abwärtsbewegungsdynamik.

„Sollte sich der DAX nicht wieder über 5.871 Punkte retten können, ist mit einem Rücksetzer bis mindestens zur Unterstützung bei 5.748 Punkten zu rechnen“, befürchtet der Stratege. Da dies nur eine leichte Unterstützungsmarke sei, sind ihm zufolge sogar weitere Rücksetzer nicht auszuschließen. „Die nächste Unterstützung liegt erst wieder bei 5.554 Punkten, die auf Wochensicht nicht ganz erreicht werden sollte“, ergänzt Demirtas.

Weygand: DAX an einer Kreuzung


Weygand

Für Harald Weygand, Charttechniker und Handelschef von Godmode-Trader.de, befindet sich der DAX derzeit in einer Entscheidungsphase. „Ich bin im Moment weder eindeutig bullish noch eindeutig bearish“, meint er. Abwarten sei angesagt – bis es wieder klarere Signale gebe. Er konzentriert sich im Moment lieber auf den Devisenmarkt, hier sei das Bild viel deutlicher. Grundsätzlich bewege sich das deutsche Aktienbarometer nach wie vor in einem ansteigenden Korridor. „Nach unten hin ist der DAX bei 5.400 bzw. 5.500 Punkten zudem gut abgesichert“, ergänzt er. Solange diese Marken gehalten würden, bleibe der Aufwärtstrend intakt.

Darüber hinaus sieht er diverse Signale aus den USA, die einen festen Markt rechtfertigten: „Die Internet- und Netzwerkbetreiberwerte brechen im Moment nach oben aus“, erläutert Weygand: „Das ist mittelfristig ein gutes Zeichen.“ Darüber hinaus zeige sich der Russell 2000, der US-Nebenwerteindex, der oft eine Vorreiterrolle übernehme, aktuell sehr fest. Nicht zuletzt deute sich in der Bauwirtschaft, konkret bei den Hausbauten, eine Bodenbildung an. „Der Kursverlauf des S&P Homebuilders-ETF seit Oktober zeigt einen großen charttechnischen Bodenbildungsprozess“, erklärt Weygand. Auf der anderen Seite stehe die Straffung der Geldpolitik an: „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Aktienmärkte ein halbes Jahr davor zu korrigieren beginnen.“ Als obere Widerstandsmarke sieht Weygand im Übrigen 6.388 Punkte, ein Fibonacci-Retracement.

Marktstimmung bei Technologiewerten schlechter

Die Marktstimmung hat sich bei den Bluechips gegenüber der Vorwoche in der Summe nicht geändert, das ergibt zumindest die aktuelle Sentimenterhebung der Börse Frankfurt bei 300 aktiven Investoren. Der Bull/Bear-Index liegt weiter bei 60 Punkten. Von den befragten Anlegern rechnen nun 3 Prozent mehr mit steigenden Kursen als bei der Erhebung davor, insgesamt sind es nun 48 Prozent. Ebenfalls drei Prozent sind short und sitzen im negativ eingestellten Lager. 6 Prozent der Investoren haben demnach Position bezogen.

Beim TecDAX hat sich die Stimmung hingegen etwas eingetrübt, der Bull/Bear-Index sank auf 60 Prozent. Die Bullen verzeichneten ein Minus von 4 Prozent der Befragtne auf 46 Prozent, die Pessimisten sind mit einem Plus von 2 auf 32 Prozent aber weiter deutlich in der Minderheit.

Die vollständige Analyse gibt es heute nachbörslich bei boerse-frankfurt.de/sentiment.

© 10. März 2010/Anna-Maria Borse

© Deutsche Börse AG

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