Markttechnik: Start in die Jahresendrallye?

Trading Data Board18. November 2009. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nachdem der DAX seit Beginn der Woche rund 170 Punkte gut gemacht hat, steigt am Markt die Hoffnung auf die Nachhaltigkeit der Bewegung bis zum Jahresende. „Wenn man sich die Entwicklung in den vergangenen Jahren ansieht, dann ist die Wahrscheinlichkeit für steigende Notierungen im Dezember auch ziemlich hoch. Viele Anleger könnten darauf wetten“, kommentiert ein Händler. Technische Analysten sind unterdessen geteilter Meinung.

Die zumeist institutionellen Anleger am ETF-Markt zeigen sich in dieser Woche optimistisch und steigen verstärkt bei den Indextrackern iShares DAX (DE) (WKN 593393) und db x-trackers DAX ETF (DBX1DA) ein. Noch stärkere Käufe verzeichnet ein zuständiger Market Maker beim iShares DJ STOXX 50 (DE) (WKN 593394). „Der Flow geht heute deutlich in eine Richtung: Kauf. Der Übermut ist groß, obwohl das verbleibende Aufwärtspotenzial bereits eher begrenzt erscheint“, meint ein Händler.

Zur Mittagszeit liegt der DAX rund 0,48 Prozent im Plus bei 5.806 Punkten.

6.000 Punkte bereits in Sicht

Satoris

Nach Einschätzung von Rainer Sartoris, technischer Analyst der HSBC Trinkaus, stehen die Chancen für eine Jahresendrally am deutschen Markt aktuell gut. „Mit kräftigen Kursgewinnen und einem Aufwärts-Gap hat der DAX diese Woche eingeläutet und macht damit Hoffnung. Mit der Rückkehr in den alten Aufwärtstrend seit März, der aktuell bei 5.764 Punkten verläuft, wurde die Voraussetzung für einen Test des Hochs vom 20. Oktober bei 5.888 Punkten geschaffen“, kommentiert der Analyst. Das bisherige Jahreshoch markiere nun den einzigen noch verbliebenen Widerstand auf dem Weg in Richtung der psychologisch wichtigen Marke von 6.000 Punkten. Dabei unterstützten die quantitativen Indikatoren das insgesamt günstige Bild. „Zudem sei noch einmal auf den DAX-Verlaufsvergleich der Jahre 2003 und 2009 verwiesen, der auf einen Schlussspurt zum Jahresende schließen lässt: In 10 von 11 Fällen hat der DAX seit 1990 das Jahr mit einem positiven Schlussquartal oder zumindest einer guten Entwicklung im Dezember abgeschlossen, wenn die ersten neun Monate des Jahres positiv verlaufen sind“, fügt Sartoris hinzu.

Erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen Abprall nach unten

Weygand

Harald Weygand, technischer Analyst und Geschäftsführer von Godmode-Trader.de, hält dieses Szenario unterdessen für unwahrscheinlich und rechnet vielmehr mit einer Korrektur in den kommenden Wochen. „Eine ganze Reihe von wichtigen Basiswerten wie der Dow Jones, der S&P500, der Nasdaq 100, aber auch der DAX stehen derzeit im Bereich von kurzfristig relevanten Widerständen. Das sind Chartmarken, in deren Bereich die Wahrscheinlichkeit für einen Abprall der Notierungen nach unten erhöht ist.“ Die Wahrscheinlichkeit für neue Hochstände beim DAX sei trotz eines positiven Wochenstarts daher eher gering. „Wir sehen den Index vielmehr vor einer Korrektur, die in den Bereich von 5.177 Punkten und dann möglicherweise sogar bis zu 5.000 Punkten gehen könnte. Ausgehend von dieser Marke besteht dann tatsächlich aber die Möglichkeit für eine Jahresendrallye, aus heutiger Sicht ist die Wahrscheinlichkeit dafür aber ebenfalls nicht besonders hoch.“

Intermarket-Analyse deutet gen Süden

Dafür spricht nach Ansicht von Weygand auch die Intermarket-Analyse, bei der verschiedene Segmente des Kapitalmarktes – wie etwa die Devisen- und Rohstoffentwicklung – in die Betrachtung der Aktienmärkte mit einbezogen werden: „Der Euro steht aktuell bei rund 1,50 US-Dollar und notiert damit auf einer wichtigen Widerstandsmarke. In den kommenden Tagen und Wochen scheint hier eine größere Abwärtsbewegung in Richtung 1,43 und dann 1,37 Euro je US-Dollar möglich. Angesichts der aktuell hohen Korrelation zwischen der Euro-Entwicklung und dem Aktienmarkt, ist daher auch beim DAX mit einer erheblichen Korrektur zu rechnen.“

Ausgeprägte Korrektur möglich

Deppermann

Auch Klaus Deppermann von der BHF Bank nimmt im Hinblick auf die kommenden Wochen eine eher pessimistische Haltung ein: „Es besteht die Gefahr, dass sich der jüngste Ausbruch der US-Indizes innerhalb kürzester Zeit als Fehlausbruch erweisen könnte. Das Ausmaß der Divergenzen spricht für eine anschließende ausgeprägte Korrekturphase“, erklärt der technische Analyst. Ob im ersten Quartal nochmals neue Höchststände erzielt werden könnten, lasse sich aktuell noch nicht abschließend beurteilen. Beim DAX wäre dazu nach Ansicht von Deppermann die erfolgreiche Verteidigung der 5.200 Punkte-Marke notwendig.

Pessimismus bei den Anlegern

Die Anlegerstimmung hat sich im Vergleich zur Vorwoche eingetrübt, das ergibt zumindest das Ergebnis der aktuellen Sentimenterhebung der Börse Frankfurt bei 300 aktiven Investoren. So legt das Bärenlager bei den deutschen Bluechips um 7 Prozent zu. Mit 5 Prozent waren die meisten der Wechsler jedoch vorher nicht engagiert, sondern hatten an der Seitenlinie gewartet. Der Bull/Bear-Index fällt insgesamt nun etwas niedriger aus, das Maß für den absoluten Optimismus im Markt, für den die Bullen in Verhältnis zu den Bären und mit den neutral Gestimmten gewichtet werden, liegt nun bei 62,2 Prozent. Bei den Technologiewerten sind 3 Prozent der Anleger im Vergleich zur Vorwoche short gegangen.

© 18. November 2009 / Karoline Koch

© Deutsche Börse AG

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