Peeters: "Griechenland lässt die Märkte kalt"


Peeters

25. März 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Vielleicht ist es die Jahreszeit, die den Investoren auf dem Börsenparkett momentan eine Ruhe und Selbstsicherheit verleiht, die von bemerkenswerter Natur ist. Völlig gleich, ob es um wackelige US-Konjunkturdaten, gemischte Unternehmensresultate oder natürlich die neuesten Spekulationen um die Euro-Sorgenkinder aus Griechenland oder Portugal geht: Aktienanleger gehen momentan mächtig entspannt mit allem um, was in anderen Zeiten vielleicht noch für eine regelrechte Verkaufspanik gesorgt hätte.

Doch was ist es genau, was die Anleger dazu bewegt, das Glas momentan zunehmend als halbvoll zu betrachten? Nun, bei genauerem Hinsehen erschließen sich einige Beweggründe: 1. Der Konjunkturoptimismus hat offenkundig eine immer breitere fundamentale Berechtigung. Sicher herrscht in der Wirtschaft nicht eitel Sonnenschein, ebenso wenig sind langfristige, strukturelle Ungleichgewichte aufgehoben, doch geht es momentan zumindest zyklisch unstrittig aufwärts. 2. Börsianer sind Herdentiere. In Phasen, in denen Marktteilnehmer wissen, dass andere positiv auf News reagieren, wäre es unlogisch und geradezu dumm, sich gegen den Markt zu stellen. 3. Es gibt Anlagedruck. Fast alle Argumente, die vor allem bewertungstechnisch gegen den Aktienmarkt sprechen, lassen sich auch gegen andere Asset Klassen vorbringen. Es gibt momentan keine richtig billigen Anlageopportunitäten im Markt, aber es gibt reichlich Geld, das investiert werden muss.

Und das wird sich auf absehbare Zeit kaum ändern: Alle Probleme, die im Zuge der Finanzkrise entstanden oder besser gesagt, die aufgedeckt worden sind, wurden von den Notenbanken mit einer umfassenden Liquiditätsflut bekämpft. Das ist einerseits zu hinterfragen, weil es die langfristigen Probleme und Ungleichgewichte in keiner Weise löst, es ist andererseits aber auch durchaus effektiv, insbesondere in kurzfristiger Sicht.

Und genauso wie die großen Notenbanken rund um den Erdball die Probleme von Geschäftspartnern von Lehman Brothers oder AIG gelöst haben, nämlich indem sie die Märkte geflutet haben und die Schieflagen in die öffentlichen Haushalte faktisch überführt und somit sozialisiert haben, würden sie wohl auch einer weiteren Verschlechterung der Bonität diverser Mittelmeeranrainerstaaten entgegen treten. Es wird zwar sehr viel über den Umgang mit dem „Sünder“ Griechenland debattiert, doch steht es außer Frage, dass es Unterstützung oder besser gesagt Gegenmaßnahmen geben wird.

Vielleicht ist das sogar am Ende des Tages die grundsätzliche Antwort, warum Marktteilnehmer (von ein paar Irritationen am Devisenmarkt mal abgesehen) auf die Entwicklung in Griechenland etc. vergleichsweise gelassen reagieren: Sie stellen nicht die Notlage, sondern die erwartete Gegenmaßnahme in den Mittelpunkt ihrer Entscheidungen. Und eine jede Liquiditätsspritze wird per se eine positive Auswirkung auf die Preise von Realgütern, etwa Aktien oder Rohstoffen haben. Von daher ist es sogar rational, wenn Anleger im Aktienmarkt momentan derart gelassen sind.

© 25. März 2010/Roger Peeters

*Roger Peeters ist Vorstand der Close Brothers Seydler Research AG, einer Tochter der auf mittelständische Unternehmen fokussierte Close Brothers Seydler Bank. Zuvor leitete Peeters viele Jahre die Redaktion der “Platow Börse” und beriet den von ihm konzipierten DB Platinum III Platow Fonds. 2008 erschien von ihm ‘Finde die richtige Aktie – ein Profi zeigt seine Methoden’ im Finanzbuchverlag. Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

© Deutsche Börse AG

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