Peeters: "Stell dir vor, es ist Berichtssaison und keiner hört hin"

Peeters

25. Feburar 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Eine regelrechte Flut von Unternehmensergebnissen läuft momentan über die Ticker. Alleine am Donnerstag hat ein halbes Dutzend Unternehmen aus dem Leitindex DAX seine Ergebnisse für das vierte Quartal des vergangenen Jahres auf den Tisch gelegt, namentlich Allianz, BASF, Deutsche Postbank, Deutsche Telekom, Henkel und RWE. Dazu eine Vielzahl von Unternehmen aus den anderen Indizes, beispielsweise der Solaranbieter Solarworld oder Fielmann.

Dabei ergab sich ein Bild, wie wir es in den vergangenen Wochen mehrfach erlebt haben: Zwar machen die Unternehmen mit ihren Zahlen die eine oder andere Schlagzeile, auch bewegt sich hin und wieder mal ein Aktienkurs nach Zahlenvorlage etwas stärker, doch spielt die Berichtssaison insgesamt auf dem Parkett keine allzu große Rolle. Ob die Indizes im Moment eher den Vorwärts- oder Rückwärtsgang einlegen, wird vielmehr durch makroökonomische Rahmendaten geprägt. Die erwartete Entwicklung der Leitzinsen, das konjunkturelle Bild oder auch die Veränderungen bei den wichtigsten Wechselkurs-Paritäten sind hier zu nennen.

Zwar ist grundsätzlich normal, dass diese Faktoren gewichtig sind. Dennoch wird das Zahlenwerk der Unternehmen dieses Mal auffallend wenig beachtet. Folgende Gründe könnten hierbei eine Ursache spielen:

  • 2009 gilt in zahlreichen Branchen als „verlorenes Jahr“. Ob das Ergebnis nur ein bisschen schlecht oder sehr schlecht war, tangiert oftmals nicht, so gesehen etwa bei der Commerzbank.
  • Die Ausblicke für 2010 sind oftmals, gelinde gesagt, lückenhaft. Kaum ein Firmenlenker traut sich, Farbe hinsichtlich der Perspektiven im neuen Jahr zu bekennen.
  • Die Veränderungen im regulatorischen Umfeld sind intensiv, hier sind beispielsweise die momentanen Modifikationen bei der Einspeisevergütung im Solarmarkt oder im Vorjahr die Abwrackprämie im Automarkt zu nennen. Die Veränderungen bei diesen Eingriffen wiegen oft stärker als die Zahlen der Unternehmen selbst.
  • Kaum ein Unternehmen fährt im „Normalmodus“. So gab es etwa im Maschinenbau erst einen Jahrhunderthype, dann einen ebenso fulminanten Absturz. Es ist schwer abzusehen, wann hier ein Einpendeln erfolgen wird.
  • Kaum ein Unternehmen fährt im „Normalmodus“. So gab es etwa im Maschinenbau erst einen Jahrhunderthype, dann einen ebenso fulminanten Absturz. Es ist schwer abzusehen, wann hier ein Einpendeln erfolgen wird.
  • Die Berichtssaison in den USA, die etwas früher erfolgte, hat viele Trends schon angezeigt, so dass manche Überraschungen doch keine waren.

Somit ist der Anleger momentan mit einer Entwicklung konfrontiert, in der Marktbewegungen in der Beobachtung zumindest tendenziell wichtiger als Einzelmeldungen sind. Wer momentan das große Geschehen im Markt falsch einschätzt, wird er schwer haben, dies auf Einzelwertebene raus holen zu können

Doch die Chancen stehen gut, dass sich das Ganze umkehrt. Sprich, weniger Marktrauschen, mehr Einzelwertbewegung. Je mehr sich die Zeichen verdichten, wohin sich die Weltwirtschaft (und die Leitzinsen, in deren Gefolge auch die Devisen) entwickelt, umso ruhiger sollte das Grundrauschen werden. In einer derartigen Phase, gut vergleichbar mit dem Jahr 2004, ist Stock Picking Trumpf.

© 25. Februar 2010/Roger Peeters

*Roger Peeters ist Vorstand der Close Brothers Seydler Research AG, einer Tochter  der  auf mittelständische Unternehmen fokussierte Close Brothers Seydler Bank. Zuvor leitete Peeters viele Jahre die Redaktion der “Platow Börse” und beriet den von ihm konzipierten DB Platinum III Platow Fonds. 2008 erschien von ihm ‘Finde die richtige Aktie – ein Profi zeigt seine Methoden’ im Finanzbuchverlag. Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

© Deutsche Börse AG

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