Peeters: Wie geht es weiter mit der Schweinegrippe und den Börsen?

Peeters

19. November 2009. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Das Thema Schweinegrippe prägt seit Wochen die Schlagzeilen und bewegt die Gemüter im ganzen Land. Auch auf dem Börsenparkett ist es ein wichtiges Thema. Nicht nur wegen der möglichen Auswirkung einer breiteren Pandemie auf die Volkswirtschaft insgesamt oder auf einzelne Unternehmen, die besonders leiden könnten (klassisches Beispiel: Fluggesellschaften) oder sogar noch einigen Nutzen aus dem turbulenten Geschehen ziehen könnten (die einschlägigen Pharmakonzerne oder auch der eine oder andere Laborausrüster).

Doch es gibt noch andere Schnittstellen, zwischen der Schweinegrippe und dem Treiben auf dem Parkett: In beiden Fällen geht es um Einiges. In einem Fall um die Gesundheit als das höchste Gut des Menschen, im anderen Fall um den schnöden Mammon, dem der Mensch gemeinhin jedoch auch einen hohen Stellenwert einräumt. Entsprechend hoch ist die Emotionalität. Entsprechend hoch auch der Wille, das Richtige zu tun und ebenfalls entsprechend hoch ist auch das Bedürfnis, professionelle Hilfe für die richtige Entscheidung zu erhalten.

Die maßgebliche Entscheidung, die die Bevölkerung in puncto Schweinegrippe treffen muss, liegt in der Beantwortung der Frage: Impfung – ja oder nein. Beinahe täglich finden sich qualifizierte Befürworter und Gegner dieser Schutzmaßnahme in großen Medien wieder. Traurige Beispiele von Menschen, die entweder durch die Schweinegrippe oder eine Impfung zu Schaden kamen, finden sich zu Hauf. Bei der Vehemenz, mit der beide Seiten ihre Sache vertreten, verwundert es nicht, dass viele Leitmedien und auch öffentliche Institutionen gerne die Argumente für beide Seiten auflisten, sich im Anschluss aber schwer tun, es mit einer klaren Empfehlung zu versehen. Zu groß ist offenkundig die Angst, etwas nachhaltig Falsches zu empfehlen.

Ein Gefühl, dass viele Börsianer nur zu gut kennen, um den Bogen zurück zum Aktienmarkt zu schließen. So ist das Risiko, im Aktienmarkt 2009 etwas grundsätzlich und schwerwiegend falsch zu machen, auch nicht wirklich zu verschweigen. Zwar geht es hier nicht um Leib und Leben, wie noch mal betont werden sollte, doch tun sich doch gewaltige Chancen und Risiken monetärer Art auf. Wer die Rallye seit dem Tief des DAX im März verpasst hat, dem entging eine seltene Chance, das eingesetzte Kapital binnen kürzester Zeit um mehr als die Hälfte zu erhöhen. Dennoch wäre es fahrlässig, von einem risikofreien Umfeld zu sprechen. Der Wirtschaftsrückgang in 2009 wird historische Dimensionen aufweisen. Zahllose strukturelle Probleme im Weltfinanzsystem sind bislang in keinster Weise gelöst. Auch wenn der Aktienaufschwung ins zeitliche Raster früherer Rallyes in ähnlichen konjunkturellen Phasen passt – die Frage, ob es angesichts der weltweit aufgehäuften Schuldenlast nicht Zeit für einen größeren, strukturellen Wandel im Finanzsystem ist, bleibt auch weiterhin virulent. Da ändert eine deutlich von der massiv ins System gebrachten Liquidität unterstützte Rallye erstmal nichts. Eine fundamental unverändert wolkenverhangene Gemengelage bei einem technisch sehr erfreulichen Bild der Märkte bringt die Lage vielleicht grob auf den Punkt.

Nun gibt es also gute Argumente für eine höhere Investitionsquote und auch gute Gründe für Zurückhaltung. Für beide Thesen finden sich viele kluge Befürworter ganz wie bei der Frage ob Schweinegrippeimpfung oder nicht. Der Vorteil des Börsianers: Er kann sich auch mit der Lösung arrangieren, sich nicht eindeutig zu entscheiden. Während es keine „halbe Impfung“ gibt, ist eine partielle Investition im Aktienmarkt sehr wohl möglich und angesichts der momentan nicht eindeutigen Signale auch durchaus probat.

© 19. November 2009/Roger Peeters

*Roger Peeters ist Vorstand der Close Brothers Seydler Research AG, einer Tochter der Frankfurter Wertpapierhandelsbank Close Brothers Seydler Bank. Zuvor leitete Peeters viele Jahre die Redaktion der “Platow Börse” und beriet den von ihm konzipierten DB Platinum III Platow Fonds. 2008 erschien von ihm ‘Finde die richtige Aktie – ein Profi zeigt seine Methoden’ im Finanzbuchverlag. Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.

© Deutsche Börse AG

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