Wochenausblick: Achillesferse Griechenland

1. März 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Hellenen kommen nicht aus den Schlagzeilen. Nachdem die Rating-Agenturen Moody`s und S&P in der vergangenen Woche auf die Möglichkeit einer weiteren Herabstufung Griechenlands hingewiesen und so abermals für Unruhe gesorgt hatten, werden wohl auch in den kommenden Tagen Nachrichten zu Griechenland die Märkte dominieren. Heute steht ein Besuch des EU-Währungskommissars Olli Rehn in Athen an, dort sollen Gespräche mit der Regierung und der Notenbank stattfinden. Die Spekulation gegen den Euro wird nach Einschätzung der meisten Marktteilnehmer noch weiter gehen. Nach Verlusten von 2,2 Prozent in der Vorwoche liegt der DAX am Montagvormittag bei Eröffnung 1,5 Prozent im Plus. Der Nikkei-225 ging mit leichten Gewinnen bei 10.172 Zählern aus dem Handel.

Ignorieren positiver Daten

Halver

Robert Halver von ICF Kursmakler zufolge könnte sich die abwartende Haltung der Anleger in dieser Woche noch fortsetzen. „Griechenland ist unsere Achillesferse, das Problem überdeckt derzeit alles andere“, meint er: „Die Anleger haben im Moment Scheuklappen und sehen die eher positiven Konjunkturdaten, die im Durchschnitt erfreulichen Unternehmenszahlen und die günstige Bewertung nicht.“ Allerdings könnten nach Halvers Meinung Aktien mit einer attraktiven Dividendenrendite durchaus zulegen.

Risikoaversion als dominierendes Thema

Aufgrund der Probleme um Griechenland ist nach Ansicht des Bankhauses Metzler derzeit Risikoaversion wieder das dominierende Thema. Ohnehin könnten, bedingt durch den harten Winter einerseits und die Zwänge frühzeitiger fiskalischer Konsolidierung andererseits, auch das laufende Jahr und insbesondere das zweite Halbjahr einige Enttäuschungen bereithalten – im Euroraum, in den USA, in Japan und in Großbritannien. Investmentanalyst Eugen Keller verweist dabei auch auf die Rede von Fed-Chef Bernanke, der vor dem Finanzausschuss im Repräsentantenhaus betont hatte, dass das wirtschaftliche Umfeld noch längere Zeit außerordentlich niedrige Zinsen erfordere.

DAX unter 21-Wochen-Durchschnitt gerutscht

Schmidt

Charttechnisch befindet sich der DAX der Helaba zufolge weiter in einer Findungsphase. Das Bild habe sich auf Wochenbasis eingetrübt, besonders erwähnenswert sei, dass der Index unter seinen 21-Wochen-Durchschnitt gerutscht sei und zudem ein „Bearish Harami“ herausgebildet werden könnte, ein Zeichen für das Ende eines Aufwärtstrends. Bedenklich stimme auch, dass der trendfolgende DMI (Directional Movement-Index) weiterhin im Verkauf sei. „Entsprechend verschlechtern sich die Chance- und Risikoprofile zunehmend“, meint der technische Analyst Christian Schmidt. Extrem wichtige Unterstützungslinien ließen sich über die Fibonacci-Relationen definieren, und zwar bei 5.470 und 5.420 Zählern. Ein nachhaltiger Widerstand nach oben sei die Marke von 5.750 Punkten.

Neben den Zinsentscheidungen der EZB und der Bank of England am Donnerstag stehen in den kommenden Tagen noch zahlreiche wichtige Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an, etwa der ISM-Index am Montag und Mittwoch sowie die US-Arbeitslosenzahlen am Freitag. Die Berichtssaison läuft derweil aus, unter den DAX-Unternehmen sind es nur noch Adidas, Beiersdorf, Linde und Salzgitter, die ihre Zahlen offenlegen. Außerdem tagt am Mittwoch der Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse und entscheidet über die Zusammensetzung der Auswahlindizes ab Ende März.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine

Montag, 1. März

Quartalszahlen Vivendi

11.00 Uhr. EU: Arbeitslosenquote Januar. Prognostiziert werden mehrheitlich 10,1 Prozent nach 10,0 in der Vorperiode.

14.30 Uhr. USA: Persönliche Ausgaben/Einkommen Januar. Die DekaBank erwartet sowohl für die Konsumausgaben als auch für die persönlichen Einnahmen einen Zuwachs von 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat, unter anderem aufgrund der guten Lohnentwicklung.

16.00 Uhr. USA: ISM Index Industrie Februar. Angesichts der jüngsten Stimmungsdaten ist nach Ansicht des Bankhauses Metzler durchaus ein Rückschlag gegenüber dem Vormonat einzukalkulieren. Die Konsensschätzungen liegen bei 58 Punkten gegenüber 58,4 Punkten im Vormonat. Der ISM-Index ist ein weltweit beachteter Einkaufsmanager-Index für die USA. Er wird vom Institute for Supply Management (ISM) erhoben und zeigt die Geschäftserwartungen der Industrie bzw. der Dienstleistungsbranche auf einer Skala von eins bis 100. Werte über 50 deuten auf eine Ausweitung, Werte darunter auf eine Abschwächung der Konjunktur.

Dienstag, 2. März

Offizieller Beginn der Cebit in Hannover

11.00 Uhr. EU: Erzeugerpreise Industrie Januar. Die DekaBank geht von einem leichten Plus von 0,2 Prozent aus nach 0,1 im Vormonat.

11.00 Uhr. EU: Vorabschätzung Inflation Eurozone Februar.

Mittwoch, 3. März

Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse, Bekanntgabe der Ergebnisse in der Nacht zum Donnerstag

Quartalszahlen Adidas, Fraport

11.00 Uhr. EU: Einzelhandelsumsätze Januar. Die Helaba prognostiziert einen Rückgang um 0,6 Prozent gegenüber dem Dezember.

16.00 Uhr. USA: ISM-Index außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes Februar. Hier liegen die Konsensschätzungen bei 51 Punkten nach 50,5 im Januar

20.00 Uhr. USA: Beige Book. Nach der US-Diskontsatzerhöhung und den jüngsten Äußerungen von Ben Bernanke auf Capital Hill hält das Beige Book kaum Neuigkeiten bereit, meint Mario Mattera vom Bankhaus Metzler.

Donnerstag, 4. März

Quartalszahlen Beiersdorf, Linde, ProSiebenSat1

11.00 Uhr. EU: BIP 4. Quartal/Details.

13.00 Uhr. Großbritannien: Zinsentscheid der Bank of England.

13.45 Uhr. EU: EZB Sitzungsergebnis mit anschließender Pressekonferenz. Die Zinsentscheide der EZB und auch der Bank of England könnten nach Ansicht der Helaba die Märkte eher beruhigen. Die EZB sei gerade in Anbetracht der staatlichen Finanzprobleme in der Währungsunion noch weit von einer Zinsanhebung entfernt und werde in einer Warteposition verharren. Vermutlich würden die Liquiditätsmaßnahmen langsamer zurückgefahren als vorher angenommen.

16.00 Uhr. USA: Auftragseingang Industrie Januar.

Freitag, 5. März

Quartalszahlen Salzgitter

12.00 Uhr. Deutschland: Auftragseingang Industrie Januar. Die Helaba rechnet mit einem Zuwachs um 1 Prozent nach einem Rückgang um 2,3 Prozent im Dezember.

14.30 Uhr. USA: Arbeitslosenquote Februar. Die HSBC Trinkaus & Burkhardt prognostiziert einen leichten Anstieg von 9,7 auf 9,8 Prozent. Die Quote wird nach Ansicht der Analysten auch in den kommenden Monaten im Bereich der Marke von 10 Prozent verharren.

Weitere Termine sowie die aktuellen Daten kurz nach ihrer Veröffentlichung finden Sie auf www.boerse-frankfurt.de/termine. Möchten Sie den Wochenausblick kostenlos per E-Mail erhalten, dann schreiben Sie einfach an redaktion@deutsche-boerse.com.

© 1. März 2010/Anna-Maria Borse

© Deutsche Börse AG

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