Wochenausblick: Athen sorgt für Aufatmen

8. März 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Anspannung an den Märkten hat sich gelegt, zumindest etwas: Die Maßnahmen Griechenlands zur Rückführung der Schulden und die überraschend problemlose Emission einer Griechenland-Anleihe über 5 Milliarden Euro beruhigten die Märkte. Auch das Kommuniqué der EZB am vergangenen Donnerstag trug dazu bei: „Allein schon die Qualifizierung des Zinsniveaus als „angemessen“ zeigt, dass eine Wende in der Zinspolitik noch in weiter Ferne liegt“, meint etwa die Commerzbank. Nach deutlichen Gewinnen von 5 Prozent in der Vorwoche, zuletzt beflügelt durch gute US-Arbeitsmarktdaten, liegt der DAX am Montagvormittag bei knapp 5.890 Punkten leicht im Plus. Der Nikkei-225 ging mit satten Gewinnen von über 2 Prozent aus dem Handel.
Heleba hält Aktien weiter für günstig
ReinwandDie Helaba zeigt sich jetzt wieder optimistischer: „Wenn sich die Wogen um Griechenland weiter glätten, besteht die Chance auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends“, meinen die Analysten. Offensichtlich sei der Wachstumspessimismus zeitweilig überzogen worden, die wichtigen 200-Tage-Linien bei DAX und Euro Stoxx 50 hätten sich als tragfähig erwiesen. „Damit ist der Weg in Richtung der zyklischen Höchststände, die zum Jahreswechsel 2009/2010 markiert wurden, wieder frei“, urteilt Markus Reinwand. Er ist davon überzeugt, dass in den kommenden Monaten im Zuge der Umsatzbelebung die Nettoergebnisse hierzulande deutlich zulegen werden, zumal bei steigender Kapazitätsauslastung mit einer Verbesserung der Rentabilität zu rechnen sei. Konkret erwartet Reinwand bei den DAX-Unternehmen für 2010 Gewinnsteigerungen von 40 bis 50 Prozent: „Diese positiven Ertragsperspektiven könnten Aktien in den kommenden Monaten tragen. Die Bewertung von Dividendentiteln ist nicht nur im Vergleich mit Anleihen weiterhin günstig.“
LBBW: Fantasie für signifikanten Kursanstieg fehlt
Nach Einschätzung der Landesbank Baden-Württemberg sind allerdings wesentliche Treiber für diese Woche nicht in Sicht, die Erholungsbewegung werde an ihre Grenzen stoßen. „Bezüglich der Konjunkturdaten der kommenden Tage sehen wird das positive Überraschungspotenzial über die herrschenden Konsenserwartungen hinaus als sehr begrenzt an“, meint Investmentanalyst Steffen Neumann. Die Berichtssaison habe sich zwar bislang stabilisierend ausgewirkt, allerdings übten sich die Unternehmen in Sachen Ausblicke für 2010 mit Zurückhaltung. Daher fehle kurzfristig die Fantasie für weitere signifikante Terraingewinne.
Charttechniker sehen weitere Hürden
Das technische Bild ist durchwachsen: Zwar wurde mit dem Anstieg über die Hochs bei 5.744/5.734 Punkten die umgekehrte Schulter-Kopf-Schulter-Formation komplettiert, wie HSBC Trinkaus & Burkhardt erläutert. Dadurch gebe es nun Anschlusspotenzial von rund 300 Punkten. Der Weg in Richtung des Jahreshochs bei 6.094 Punkten sei aber noch verbaut, unter anderem durch Hochpunkte bei 5.859/5.888 Zählern. Die quantitativen Indikatoren liefern den Analysten zufolge allerdings Kaufsignale und seien noch nicht in den überkauften Bereich vorgedrungen. Die Rückschlagsgefahr sei aber noch da: Eine Eintrübung drohe bei einem Rückfall unter 5.744/5.734 Punkte, befürchten die Charttechniker.
Die kommenden Tage werden eher datenarm: Auf der Konjunkturseite gibt es nur wenige Veröffentlichungen, Höhepunkte sind die am Freitag anstehenden US-Einzelhandelsumsätze vom Februar und die von der Uni Michigan ermittelte Verbraucherstimmung für März. Die Berichtssaison klingt mittlerweile auch in Deutschland langsam aus, von den DAX-Unternehmen legen noch die Deutsche Post, Lufthansa, Munich Re, Volkswagen, Eon und K+S ihre Bücher offen, allerdings sind die Eckdaten hier zum Teil schon bekannt.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine
Montag, 8. März 12.00 Uhr.
Deutschland: Industrieproduktion Januar. Die Industrieproduktion in Deutschland werde sich vom Einbruch im Dezember kaum erholt haben, meint die Helaba und prognostiziert ein Minus von 1 Prozent im Monatsvergleich. Da auch Bauleistungen in den Gesamtindex einflössen, verzerre der frostige Januar vermutlich das Produktionsergebnis.
Dienstag, 9. März
Quartalszahlen Deutsche Post, EADS, Klöckner & Co
Mittwoch, 10. März
Quartalszahlen Eon, Munich Re
8.00 Uhr. Deutschland: Handels- und Leistungsbilanz Januar.
Donnerstag, 11. März
Quartalszahlen K+S, Volkswagen, Deutsche Lufthansa, Hannover Rück
20.00 Uhr. USA: Handelsbilanz Januar.
Freitag, 12. März
11.00 Uhr. EU: Industrieproduktion Januar. Die DekaBank erwartet ein Plus von 0,5 Prozent nach einem Rückgang von 1,4 Prozent im Dezember.
14.30 Uhr. USA: Einzelhandelsumsätze Februar. Im Februar sollten die Schneestürme nach Ansicht der Helaba die Kauflust der US-Amerikaner gedämpft haben. Zudem seien angesichts niedriger Benzinpreise die Tankstellenumsätze wohl rückläufig gewesen. Die Bank erwartet insgesamt ein Minus von 0,2 Prozent.
16.00 Uhr. USA: Verbraucherstimmung der Uni Michigan März. Nach dem Einbruch des Verbrauchervertrauens des Conference Board auf den Stand von April 2009 sollte der Michigan-Konsumindex mit Abwärtsrisiken belegt sein, meint die LBBW und prognostiziert 72 Punkte nach 73,60 im Vormonat. Damit ist die Bank allerdings pessimistischer als die Mehrheit der Analysten: Die Konsensschätzungen liegen bei 74 Punkten. Der Index der University of Michigan basiert auf einer telefonischen Befragung von mindestens 500 Konsumenten in den USA. Das Verbrauchervertrauen ist ein Frühindikator für die künftigen Konsumausgaben.
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© 8. März 2010/Anna-Maria Borse
© Deutsche Börse AG
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