Wochenausblick: Trotz Startschuss für Exit optimistischer

22. Februar 2010. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Börsianer zeigen sich mittlerweile wieder etwas gelassener: Zwar wird die überraschende Anhebung des Diskontsatzes durch die US-Notenbank als Signal für den Beginn des „Exit“, den Ausstieg aus der expansiven Finanzpolitik, gewertet. Nachhaltig beeinträchtigen konnte der Schritt die Marktakteure aber nicht. Auch in Sachen Griechenland ist etwas Ruhe eingekehrt, denn die Euro-Finanzminister haben dem angeschlagenen Land eine Frist von 30 Tagen eingeräumt, um Konsolidierungsschritte einzuleiten. Nach einem deutlichen Anstieg von 4 Prozent in der Vorwoche liegt der DAX am Montagvormittag bei 5.734 Punkten leicht im Plus. Der Nikkei-225 ging heute mit klaren Gewinnen von 2,74 Prozent bei 10.400 Punkten aus dem Handel.

Neuer G-REIT an der Börse Frankfurt

Auch in das Segment der börsengehandelten Immobilien, den REITs, kommt Bewegung. Die HAMBORNER REIT AG hat seit heute G-REIT-Status nach der deutschen Regelung und ist damit der dritte deutsche REIT, kurz G-REIT genannt. REITs sind eine Sonderform börsengehandelter Immobilienwerte. Aus Anlegersicht bieten sie vor allem eine besonders hohe Gewinnausschüttung, in Deutschland mindestens 90 Prozent. Mehr Informationen zu der jungen Assetklasse.

„Fed schätzt Lage nicht mehr so prekär ein“

Stabel

Die Anhebung des Diskontsatzes, des Zinssatzes also, den die US-Notenbank anderen Banken in Rechnung stellt, wird von Analysten nicht unbedingt negativ gewertet. „Man kann dieser Erhöhung sogar etwas Positives abgewinnen: Mit diesem Schritt wird nämlich von der Fed signalisiert, dass sie die Lage nicht mehr als so prekär einschätzt wie zuvor“, meint etwa Klaus Stabel von ICF Kursmakler. Er hat die Entwicklung der US-Märkte während der letzten Zinserhöhungsphase ab 2004 untersucht. Sein Ergebnis: Eine Erhöhung des US-Diskontsatzes führe nicht automatisch zu sinkenden Aktienkursen. „Wichtiger ist vielmehr, dass die Unternehmensergebnisse besser als erwartet ausfallen“, erläutert Stabel. Zwar habe der DJ Industrial Index auf die ersten Zinserhöhungen mit leichten Kursabschlägen reagiert, nach etwa der vierten Zinserhöhung aber erst richtig an Fahrt nach oben aufgenommen.

Keine negativen Überraschungen von DAX-Unternehmen

Für Deutschland zeigt sich Stabel weiter zuversichtlich: Von den zahlreichen Pressekonferenzen von DAX-Unternehmen befürchtet er keine negativen Überraschungen: „Selbst der unerwartete Dividendenausfall bei Daimler und die sehr zurückhaltende Lagebeurteilung des Premiumherstellers hat den DAX nicht nachhaltig aus der Bahn geworfen“. Auch die Landesbank Baden-Württemberg befürwortet die „graduelle Rückkehr zur Normalität“: „Fundamental halten wir es für begrüßenswert, wenn es der Zustand der Finanzmärkte und auch der Realwirtschaft wieder zuließe, nach und nach die Anwendung von Kriseninstrumenten zurückzufahren“, meint Investment-Analyst Marc-Gregor Czaja. Kurzfristig könnet sich die Unsicherheit der Marktteilnehmer allerdings erst einmal wieder erhöhen, Chancen auf einen Kursanstieg gebe es kaum.

Technische Analysten: Abwärtstrend beendet

Charttechnisch ist der kurzfristige Abwärtstrend Geschichte, das meint zumindest die HSBC Trinkaus & Burkhardt. Mit dem Aufwärtsgap von 5.592 zu 5.626 Punkten habe der DAX den seit Anfang Januar laufenden Baissetrend beendet. „Solange ein Rückfall in den Abwärtstrend bzw. ein Schließen der Kurslücke ausbleibt, sollte sich die laufende Erholung fortsetzen“, meinen die Analysten. Auch der MACD, der Moving Average Convergence/Divergence-Indikator, liefere ein neues Kaufsignal. Als nächste Anlaufzone dient der HSBC zufolge die Kombination aus dem Hoch von Anfang Februar bei 5.733 Punkten und dem Mini-Gap vom 22. Januar bei 5.741/42 Zählern.

Zahlenflut aus Deutschland

Indessen erreicht die Berichtssaison in Deutschland ihren Höhepunkt: In den kommenden Tagen legen zahlreiche DAX-Unternehmen ihre Zahlen vor. Auch aus dem übrigen Europa wird es umfangreiches Zahlenmaterial geben, aus den USA berichten hingegen nur noch wenige Unternehmen. Unter den Konjunkturdaten werden voraussichtlich vor allen der ifo-Geschäftsklimaindex und das US-Verbrauchervertrauen am Dienstag interessieren sowie die neuesten Arbeitslosenzahlen für Deutschland und die US-Aufträge für langlebige Wirtschaftsgüter am Donnerstag.

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine

Dienstag, 23. Februar

Quartalszahlen Merck KGaA, Continental, Pfeiffer Vacuum

10.00 Uhr. Deutschland: ifo Geschäftklimaindex Februar. Angesichts der Wachstumszahlen für das vierte Quartal 2009 bezeichnet die DekaBank die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland als „holprig“. Das wird sich nach Ansicht der Analysten in den Erwartungen widerspiegeln. Die Lagebeurteilung, die von den Unternehmen zumeinst im Vergleich zum Vorjahr eingeschätzt werde, habe sich hingegen wahrscheinlich noch weiter verbessert. Alles in allem erwartet die Bank einen Anstieg von 95,8 auf 96,4 Punkte, die Konsensschätzungen liegen mit 96,2 leicht darunter. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist der wichtigste Frühindikator für Deutschland. Dazu werden vom ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München monatlich 7.000 Unternehmen zur ihrer Einschätzung der Geschäftslage heute und auf Sicht von sechs Monaten befragt.

15.00 Uhr. USA: Case-Shiller Hauspreisindex 20 Cities.

16.00 Uhr. USA: US Verbrauchervertrauen Conference Board Februar. Umfragen zufolge wird mehrheitlich von 54,8 Punkten nach 55,9 im Vormonat ausgegangen. Für den monatlichen Bericht wird das Vertrauen gemessen, das einzelne Haushalte in die Leistung der Wirtschaft haben. 5.000 Haushalte bekommen Fragen zu den örtlichen konjunkturellen Bedingungen und der Verfügbarkeit von Jobs sowie zum erwarteten Familieneinkommen gestellt.

Mittwoch, 24. Februar

Quartalszahlen Bayer, Commerzbank, Fresenius, Fresenius Medical Care, Iberdrola, MLP

8.00 Uhr. Deutschland: Maastricht-Defizit-Quote 2009. Die DekaBank prognostiziert 3,2 Prozent, die erste Überschreitung der Quote nach vier Jahren.

8.00 Uhr. Deutschland: BIP 4. Quartal/Details. Die detaillierten BIP-Zahlen werden nach Ansicht der Helaba zeigen, dass das Auslaufen der Abwrackprämie zu einem deutlichen Konsumrückgang geführt hat.

11.00 Uhr. EU: Auftragseingänge Industrie Dezember. Hier wird mehrheitlich ein Rückgang von 1,3 Prozent erwartet.

16.00 Uhr. USA: Verkäufe neuer Häuser Januar. Die Helaba rechnet mit 350.000 Neubauverkäufen nach 342.000 im Dezember.

Donnerstag, 25. Februar

Quartalszahlen Allianz, BASF, Henkel, Deutsche Telekom, Deutsche Postbank, RWE, BAT, Crédit Agricole, France Télécom, Royal Bank of Scotland

8.00 Uhr. Deutschland: Arbeitslosenquote Februar. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland könnte nach Ansicht der DekaBank im Februar weiter gestiegen sein, aufgrund der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen ufere der Anstieg aber nicht aus. Konkret gehen die Analysten nicht saisonbereinigt von einer Arbeitslosenquote von 8,7 Prozent aus, saisonbereinigt von 8,2 Prozent.

11.00 Uhr. EU: Industrievertrauen Februar. Die LBBW erwartet 96 nach 95,7 Punkten im Vormonat.

14.30 Uhr. USA: Aufträge langlebiger Wirtschaftsgüter Januar. Laut Helaba sollten die Aufträge im Januar gegenüber dem Dezember um 1 Prozent zugelegt haben.

Freitag, 26. Februar

Quartalszahlen Bayer, Telefónica

08.00 Uhr. Deutschland: Verbraucherpreise Februar. Mehrheitlich rechnen die Analysten im Monatsvergleich mit einem Plus von 0,5 Prozent nach einem Minus von 0,6 Prozent im Vormonat.

08.00 Uhr. Deutschland: Importpreise Januar. Hier gehen die meisten Analysten im Monatsvergleich von einem Plus von 0,7 Prozent nach 0,5 Prozent im Vormonat aus.

14.30 Uhr. USA: BIP 4. Quartal/Revision. Die zweite Schätzung des Wirtschaftswachstums könnte nach Ansicht der Helaba für positive Stimmung sorgen, da eine Aufwärtsrevision des ohnehin schon beachtlichen Quartalswachstums möglich sei.

15.45 Uhr. USA: Einkaufsmanagerindex Chicago Februar. Die Analysten der Helaba erwarten 58 Punkte nach 61,5 im Januar und sind damit etwas pessimistischer als der Konsens (59 Punkte). Der Index beruht auf einer Befragung von mehr als 200 Einkaufsmanagern des verarbeitenden Gewerbes. Ein Wert über 50 Punkte bedeutet eine wachsende, ein Wert unter 50 eine schrumpfende Wirtschaft.

16.00 Uhr. USA: Verkäufe bestehender Häuser Januar.

Weitere Termine sowie die aktuellen Daten kurz nach ihrer Veröffentlichung finden Sie auf www.boerse-frankfurt.de/termine. Möchten Sie den Wochenausblick kostenlos per E-Mail erhalten, dann schreiben Sie einfach an redaktion@deutsche-boerse.com.

© 22. Februar 2010/Anna-Maria Borse

© Deutsche Börse AG

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